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Freitag, 12.07.2013

Mehr Leuchtende Nachtwolken

Abgase von Raketen die Ursache?

Sie sind ein immer noch rätselhaftes, nicht ganz verstandenes Phänomen: Leuchtende Nachtwolken. Diese sind bevorzugt im Sommerhalbjahr im Norden Deutschlands in klaren Nächten als silbern leuchtende Schleier zu sehen. Sie entstehen in gut 80 Kilometern Höhe und bestehen aus Eiskristallen, die von der im Sommer nur knapp unter dem Horizont stehenden Sonne angestrahlt werden. Nachtwolken treten bevorzugt dann auf, wenn die Aktivität der Sonne gering ist. In Phasen mit hoher Aktivität heizt sich die obere Atmosphäre zu stark auf.

Faszinierende Leuchtende Nachtwolken

Leuchtende Nachtwolken sind in Nordeuropa in klaren Sommernächten oft als silbrig leuchtende Schleier am Nordhorizont sichtbar. Wissenschaftler wollen nun herausgefunden haben, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Auftreten von Leuchtenden Nachtwolken und den Abgasen von Raketenstarts der Raumfahrt. Bildquelle: Christian Kranich

Auch in diesem Jahr wurden immer wieder teils spektakuläre Leuchtende Nachtwolken im Norden beobachtet. Allerdings ist dies paradox, denn die Sonnenaktivität ist ebenfalls hoch, eigentlich müssten diese Wolken also in diesem Sommer kaum zu sehen sein. Forscher wollen jetzt herausgefunden haben, warum das so ist: Die Raumfahrt könnte verantwortlich sein für das gehäufte Auftreten von Leuchtenden Nachtwolken. Genauer gesagt, die Abgase von Raketen.

Raketen verbrennen beim Start eine enorme Menge Treibstoff innerhalb von sehr kurzer Zeit. Dabei wird neben Abgasen auch eine riesige Menge Wasserdampf freigesetzt. Dieser Wasserdampf lagert sich in den oberen Schichten der Atmosphäre nach und nach an. Zusätzlich gelangen auch Rußteilchen in die oberen Luftschichten, die wiederum als Kondensationskerne für Eiskristalle dienen. Das Ergebnis: Leuchtende Nachtwolken bilden sich deutlich leichter, da mehr Luftfeuchte und Aerosole zur Verfügung stehen.

Raketenstart bläst Abgase in die Atmosphäre

Faszinierte Zuschauer beobachten den Start einer unbemannten Delta-IV Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida. Deutlich ist die Rauchfahne der Rakete am Abendhimmel sichtbar - die Abgase reichern sich möglicherweise in den oberen Luftschichten an und begünstigen die Bildung von Leuchtenden Nachtwolken. Bildquelle: dpa

Die Bedeutung der Raumfahrt wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen, was sehr wahrscheinlich in noch mehr Raketenstarts resultiert. Da es Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauert, bis die Abgase dieser Raketen aus den oberen Luftschichten verschwinden, wird die Konzentration von Wasserdampf und Ruß in den oberen Luftschichten weiter ansteigen. Sollten die Forscher Recht behalten, wird man also in den kommenden Jahren immer häufiger Leuchtende Nachtwolken in klaren Sommernächten bestaunen können.

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