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Montag, 04.06.2012

Venus zieht an Sonne vorbei

Jahrhundert-Ereignis am Mittwoch

Sternfreunde fiebern gebannt einem astronomischen Jahrhundert-Ereignis entgegen: Mittwoch früh ereignet sich ein so genannter Venus-Transit. Dieses Naturschauspiel ist so selten, dass es seit Entdeckung des Fernrohrs Anfang des 17. Jahrhunderts erst sechs Mal beobachtet werden konnte. Wissenschaftler nutzten Venuspassagen vor der Sonne damals zur Berechnung des Abstands zwischen Sonne und Erde. Auf Basis der erzielten Ergebnisse war es erstmals möglich, auch die Abstände der anderen Planeten unseres Sonnensystems exakt zu berechnen.

Venus als kleines dunkles Scheibchen vor der Sonne

Diese NASA-Aufnahme vom letzten Venustransit im Jahre 2004 zeigt das Phänomen, wie es in Fernrohren durch starke Sonnenfilter erscheint. Der nächste Venus-Transit findet erst wieder in 105 Jahren statt. Bildquelle: NASA

Bei einem Venustransit wandert das vergleichsweise winzige Planetenscheibchen der Venus an der Sonne vorüber und trübt dabei das Sonnenlicht geringfügig ein. Diese Verdunkelung ist zwar vom bloßen Auge nicht wahrnehmbar, kann aber mit hoch empfindlichen Messgeräten registriert werden. Wissenschaftler erhoffen sich von diesen Messergebnissen Rückschlüsse auf Größe und Beschaffenheit auch von um ferne Sonnen kreisenden Planeten, da auch deren Passagen eine zwar nur sehr geringe, aber messbare Verdunkelung des Lichts ihrer Sterne hervorrufen.

Animation des Venustransits am 06. Juni 2012

Die Animation zeigt den Ablauf des Venustransits Mittwoch früh. Links unten ist die Uhrzeit eingeblendet. Bildquelle: Marc van der Sluys/hemel.waarnemen.com

Zum Ereignis am Mittwochmorgen zeichnen sich sehr unterschiedliche Beobachtungschancen ab: Während im Nordosten Deutschlands und im Osten Österreichs nur wenige dünne Wolken den Blick in den Himmel trüben, machen nach Westen hin dichte Wolken die Beobachtung des astronomischen Spektakels wahrscheinlich zum Glücksspiel. Das Ereignis beginnt bereits während der Nacht, so dass in Mitteleuropa ohnehin nur dessen Endphase, der Wiederaustritt des Planeten aus der Sonne beobachtet werden kann. Der Transit wird um 06:55 Uhr MESZ abgeschlossen sein.

Vorausberechnete Wolken Mittwoch früh 05 Uhr über Mitteleuropa

Oben: Die Wolkenverteilung insgesamt. Unten: Die Art der Wolken. Hohe Wolken sind meist durchscheinend, mittlere und tiefere dagegen relativ dicht. Während des Ereignisses breiten sich die Wolken weiter nordostwärts aus. Bildquelle: WOM/GFS

Weil das Schauspiel bei Sonnenaufgang schon in vollem Gange ist, hängen die Beobachtungschancen aber auch vom Zeitpunkt des Sonnenaufgangs ab. Und auch dabei hat man im Nordosten und Osten Mitteleuropas die besten Karten: Während die Sonne nämlich auf Usedom schon um 04:34 Uhr aufgeht, erscheint sie in Genf in der Westschweiz erst mehr als eine Stunde später um 05:44 Uhr über dem Horizont. Wichtig: Wer das Phänomen sehen kann, sollte auf keinen Fall mit bloßem Auge, sondern nur durch eine Schutzfolie oder Finsternisbrille in die Sonne blicken!

Sonnenaufgangszeiten für einige Städte in Mitteleuropa am 06. Juni

Alle Zeiten in Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ). Je nach Durchlässigkeit horizontnaher Dunstschichten kann sich das Erscheinen der Sonne über diese Zeitangaben hinaus noch um mehrere Minuten verzögern.

Venuspassagen vor der Sonne ereignen sich immer paarweise im Abstand von 8 Jahren. Davor und danach dauert es allerdings abwechselnd jeweils 105 bzw. 122 Jahre bis zum nächsten Paar-Transit. So konnte der letzte Venusdurchgang vor der Sonne nach 122 Jahren Pause im Jahre 2004 beobachtet werden. Das nächste Mal nach dem Mittwoch zieht unser Nachbarplanet dann erst wieder im Jahre 2117 an der Sonne vorbei. Somit ist der Transit am 06. Juni 2012 für die derzeit lebenden Generationen die letzte Chance, ein solches Ereignis zu beobachten.

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