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Hinweise auf Leben auf der Venus
Mikroben in der Atmosphäre?
Eigentlich herrschen auf der Venus höllische Temperaturen von bis zu 460 Grad. Leben wäre so nicht möglich. Doch nun haben Forscher starke Hinweise auf Mikroben in der Atmosphäre unseres Nachbarplaneten gefunden. Das würde unser Weltbild von Leben auf anderen Planeten revolutionieren.
Astronomen haben in der mittleren Venusatmosphäre eine Phosphorverbindung entdeckt, die höchstwahrscheinlich von Mikroben stammt. Dies wurde nun in einer neuen Studie der Cardiff University in Wales gemeinsam mit Kollegen vom MIT (Massachusetts Institute of Technology) veröffentlicht. Auf der Erde kann dieses sogenannte Monosphosphan oder Phospan nur von Mikroben oder in Labors erzeugt werden. Phosphan riecht nach faulen Fischen und Knoblauch und ist ein farbloses und giftiges Gas.
Phosphan wird auch als Begasungsmittel gegen Vorratsschädlinge eingesetzt. In der Natur ist es in kleinen Mengen nahezu allgegenwärtig, denn es entsteht beispielsweise in Abwässern und Klärschlamm oder auf Reisfeldern. Dort finden sich Bakterien, die nicht auf Sauerstoff angewiesen sind. Dabei werden Phosphatmineralien und Wasserstoff absorbiert und Phosphan nachfolgend als Stoffwechselprodukt ausgeschieden. Aber auch im Verdauungstrakt von Fischen und in anderen Organismen lässt sich Phosphan nachweisen.
Phosphan reagiert mit Sauerstoff sehr heftig. In einer sauerstofffreien Umgebung verbleibt es jedoch länger und ist kaum schädlich. Schon lange vermuten Forscher, dass Lebewesen auf Planeten, die frei von Sauerstoff sind, Phosphan produzieren können. Wahrscheinlich dient es als Botenstoff, den Zellen zur Kommunikation nutzen. Außerdem hat Phospan wie auch andere Moleküle und Atome ganz bestimmte spektrale Eigenschaften. Dies machten sich die Forscher eines Teams um Jane Greaves von der Cardiff University gemeinsam mit Kollegen vom MIT zunutze.
Sie beobachteten die Venusatmosphäre mit verschiedenen Teleskopen. Bei mehreren Aufnahmen entdeckten sie Phosphan-Signaturen in der Spektralanalyse des "Venus-Lichts". Die Forscher untersuchten jedoch auch, ob andere komplexe Erklärungen für die Existenz des Gases tatsächlich ausgeschlossen werden können. Allerdings wirft die Entdeckung des Phosphans auf unserem Nachbarplaneten neue Fragen auf: Wie können Mikroben überhaupt in der Venusatmosphäre überleben, deren Wolken fast nur aus Säure bestehen?
In Höhen von 48 bis 60 Kilometer erreichen die Temperaturen zwischen minus 17 und 93 Grad. Man spricht hier von einer "lebensfreundlichen Zone", auch wenn Sauerstoff in nur geringen Mengen vorhanden ist. Dafür ist die Luft in den Wolken extrem austrocknend und wegen der allgegenwärtigen Schwefelsäure sehr sauer. Außerirdische Mikroben können dort also nur in exotischen Szenarien überdauern. "Wir behaupten nicht, dass wir Leben auf der Venus gefunden haben" sagte Ko-Autorin Sara Seager vom MIT bei einer Pressekonferenz.
Die Forscher haben nur das Gas Monophosphan detektiert, dessen Herkunft ein "Geheimnis" bleibt, aber durch bislang unbekannte natürliche Prozesse entstanden sein könnte. Auf der Rangliste jener Himmelskörper im Sonnensystem, auf denen Leben möglich sein könnte, sei die Venus nun aber nach oben gerückt. Am besten wäre es den Planeten zu besuchen, um Messungen vor Ort vorzunehmen, betont das Team in seinem Fachartikel.
Sollte sich der Nachweis von Mikroben in der Venus-Atmosphäre bestätigen, dann wäre das ein Anhaltspunkt auch bei Exoplaneten, also auf Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, gezielt nach Phosphan zu suchen. Astrobiologen schlagen jedoch auch vor, gleich nach mehreren Biosignaturen zu suchen, die kombiniert mit Phosphan auftreten können. Es ist durchaus möglich, dass auf anderen Planeten Leben mit unterschiedlicher Biochemie und unterschiedlichen Ansprüchen sehr viel häufiger ist, als wir bislang angenommen haben.
Die Informationen dieses Beitrags basieren auf einer Veröffentlichung in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature sowie einer Meldung der dpa und des amerikanischen Forschungsinstituts MIT.
(Ein Bericht von Tommy Kühnlein aus der WetterOnline-Redaktion)