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Samstag, 16.02.2013

Meteorit geht im Ural nieder

Haarscharf an Katastrophe vorbei

Wenige Stunden vor der von Astronomen mit Spannung erwarteten Passage des Asteroiden 2012 DA 14 ist in Russland über dem südlichen Uralgebiet ein großer Meteorit niedergegangen. Die Druckwelle des rund 17 Meter großen Himmelskörpers richtete in der Region um die Stadt Tscheljabinsk Millionenschäden an. Fast 5000 Gebäude wurden beschädigt, Fensterscheiben gingen zu Bruch und über 1200 Menschen wurden von umherfliegenden Scherben - zum Glück meist nur leicht - verletzt. Die Region schrammte haarscharf an einer Katastrophe vorbei.

Der Meteorit am Himmel über Russland

Als gleißend helle Feuerkugel jagte der kosmische Gesteinsbrocken über den Himmel und zog einen weithin sichtbaren Schweif aus verdampftem Gestein und Rauch hinter sich her. Wenig später schlug eine gewaltige Druckwelle ein und richtete enorme Schäden an. Bildquelle: fed potapow/YouTube

Der Himmelskörper trat in den frühen Morgenstunden mit etwa 60-facher Schallgeschwindigkeit in die Atmosphäre ein, wo er wegen der enormen Reibung mit den Luftmolekülen in einer gleißenden Leuchtspur teilweise verglühte und in rund 20 Kilometer Höhe schließlich in mehrere Fragmente zerbrach. Die Wucht des explosionsartigen Überschallknalls versetzte Tausende Menschen in Angst und Schrecken. Die Druckwelle der Explosion beschädigte Dächer, ließ Tausende von Fensterscheiben platzen und brachte sogar Teile von Gebäuden zum Einsturz.

Vermutetes Einschlagsloch eines Bruchstücks des Meteroiten

Dieses Loch in der Eisdecke eines Sees nahe Tscheljabinsk soll nach Behördenangaben vom Einschlag eines Fragments des ursprünglich 17 Meter großen Meteoriten herrühren. Die Stelle wurde weiträumig abgesperrt. Bildquelle: AFP/ Chelyabinsk Region Police Department

Der Meteorit von Tscheljabinsk ist das erste, dokumentierte Ereignis dieser Art, bei dem ein kosmisches Geschoss dicht besiedeltes Gebiet getroffen und dabei massive Schäden angerichtet hat. Dies führt eindrucksvoll die Verletzlichkeit unserer Welt durch derlei Einschläge vor Augen: Schon ein Weltraumbrocken doppelter Größe würde in Ballungsräumen katastrophale Verwüstungen hinterlassen. Wahrscheinlich war es die Explosion eines nur 50 Meter großen Himmelskörpers, die im Juni 1908 am Tunguskafluss in Sibirien 60 Millionen Bäume zu Boden warf.

Schadensbilder des Tunguska-Ereignisses von Juni 1908

Erst 19 Jahre nach dem so genannten Tunguska-Ereignis entstand dieses Foto bei einer Expedition in das unzugängliche Gebiet Sibiriens. Es zeigt Bäume, wie sie auf einer Fläche von der Größe des Saarlandes entwurzelt oder umgeknickt waren, - die Stämme vom Lichtblitz verkohlt ... Bildquelle: Public Domain

Der nun gefallene 17-Meter-Brocken dürfte nahe an die Grenzgröße dessen herangereicht haben, was die Erdatmosphäre gerade noch abwehren kann. Nach Schätzungen der NASA, sei der Meteorit beim Eintritt in die Atmosphäre rund 10.000 Tonnen schwer gewesen. Das entspricht dem Gewicht eines Schaufelradbaggers oder 25 vollbesetzten Jumbo-Jets. Er sei in rund 20 Kilometer Höhe explodiert und habe das Energieäquivalent von 33 Hiroshimabomben freigesetzt. Damit handelt es sich um den größten, dokumentierten Boliden seit dem Tunguska-Ereignis von 1908.

Spekulationen, bei dem Meteoriten vom Ural könne es sich womöglich um einen kleineren Begleiter des Asteroiden 2012 DA 14 gehandelt haben, der in der Nacht zum 16. Februar 2013 in einer Entfernung von nur knapp 28.000 Kilometer an der Erde vorbei geflogen ist, sind indessen gegenstandslos. Beide Himmelskörper kamen aus völlig unterschiedlichen Richtungen und standen nicht miteinander in Verbindung. Das zeitliche Zusammentreffen dieser Ereignisse war vielmehr rein zufälliger Natur, wenn auch eines Zufalls von wahrhaft kosmischer Dimension.

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