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Donnerstag, 19.10.2017

Arktische Winde verändern sich

Klimawandel: Kältere Winter?

In den vergangenen Jahren sind die Winter in Sibirien immer kälter und schneereicher geworden. Ursache sind veränderte Luftströmungen über der Arktis, die mit dem Klimawandel zusammenhängen können.

Schneesturm in Sibirien: In den vergangenen Jahren sind die Winter in Russland immer kälter geworden. Einer Studie zufolge könnte ausgerechnet der Klimawandel daran Schuld sein.

Es klingt im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung auf den ersten Blick paradox: In Sibirien sind die Winter in den vergangenen zwanzig Jahren im Mittel immer kälter und schneereicher geworden. Auch in Nordamerika, Asien und in Teilen Europas gab es immer wieder ungewöhnlich heftige Kälteeinbrüche. Laut einer Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) hängt das mit Veränderungen der arktischen Luftströmungen zusammen.

Normalerweise bildet sich im Winterhalbjahr ein starker Höhenwind, der die Nordpolarregion umkreist. Diese sogenannte Artische Oszillation (AO) wirkt wie eine Barriere zwischen der extrem kalten Luft über der Arktis und der umgebenden deutlich milderen Luft der mittleren Breiten. Doch die globale Erwärmung hat dieses Starkwindband in den vergangenen 20 Jahren deutlich geschwächt. Die Folge: Arktische Frostluft hat es nun leichter, nach Süden auszubrechen.

Offenes Wasser statt festem Eis: Die Arktis taut immer mehr auf. Das hat dramatische Temperaturänderungen zur Folge, die wiederum die vorherrschenden Winde in der Region immer mehr verändern.

Genau dieses Phänomen sorgt dafür, dass die Winter in Sibirien generell kälter werden. Da die arktische Frostluft auf ihrem Weg nach Süden über teilweise eisfreiem Meerwasser viel Feuchtigkeit aufnehmen kann, fällt dort auch immer mehr Schnee. In Westeuropa waren die Winter im Gegensatz dazu in den vergangenen Jahren meist sehr mild. Aber auch das passt gut mit den Veränderungen der arktischen Luftströmung zusammen: Wenn über Sibirien Kaltluft nach Süden strömt, fließt über Europa sehr milde Luft nach Norden.

Langlaufen auf dem Kunstschnee-Band: Die Winter in Westeuropa waren in den letzten Jahren eher extrem mild. Das muss in den kommenden Jahren aber nicht zwangsläufig so bleiben. Bild: dpa

Daraus jetzt abzuleiten, dass die kommenden Winter auch bei uns kalt und schneereich werden, wäre falsch. Das Klima ist dafür viel zu komplex und Europa liegt aufgrund der umgebenden Meere generell an einer eher ungünstigen Stelle für extreme Kältewellen. Doch es ist durchaus möglich, dass auch wir mal auf der "kalten Seite" liegen werden und arktische Kältewellen Europa statt Sibirien überrollen. Dann gäbe es mal wieder einen frostigen Winter. Doch ob das bereits im Dezember oder erst in zehn Jahren passieren wird, kann niemand vorhersagen.

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