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Samstag, 02.11.2013

Komet ISON wird langsam heller

Schweifstern noch unspektakulär

Der mit Spannung erwartete Komet ISON ist inzwischen auch in kleineren Fernrohren gut zu erkennen. Obwohl er noch hinter den Erwartungen der Astronomen zurückliegt, könnte der Schweifstern noch eine spektakuläre Entwicklung nehmen.

Noch ist ISON mit rund 150 Millionen Kilometern fast genau so weit von der Sonne entfernt wie unsere Erde. Der etwa fünf Kilometer große Himmelskörper nähert sich unserem Zentralgestirn in den kommenden Wochen jedoch noch bis auf etwa eine Million Kilometer an. Dabei wird seine der Sonne zugewandte Seite auf gut 2.000 Grad aufgeheizt. Übersteht der kosmische Vagabund diesen extrem nahen Vorbeiflug an der Sonne unbeschadet, könnte er Ende November und Anfang Dezember ein höchst eindrucksvolles Himmelsschauspiel bieten.

Komet ISON am 31. Oktober 2013 im Sternbild Löwe

So schön ist ISON bisher nur in Fernrohren zu sehen. Da er der Sonne aber immer näher kommt, wird er ab Mitte November auch für das bloße Auge sichtbar. Rechts oben sieht man übrigens die Galaxie NGC 3526, ein fernes Milchstraßensystem wie unser eigenes. Bildquelle: Reiner Guse von www.astro-stammtisch.org/

Allerdings besteht durchaus auch das Risiko, dass der Komet die Sonnenpassage am 28. November nicht übersteht, sondern in mehrere kleine Bruchstücke zerrissen wird. Kommt es so, könnte der Showdown im schlimmsten Fall für das bloße Auge weitgehend unsichtbar bleiben. Ebenso könnte sich der Himmelskörper unter dem Einfluss der enormen Gravitationskräfte der Sonne auch ganz auflösen, dabei jedoch eine gewaltige Staubfahne bilden, die dann wiederum hell aufleuchten und in den Dämmerungsstunden deutlich am Himmel sichtbar sein würde.

Die Entwicklung des Kometen am Morgenhimmel

Die Grafik zeigt die sich im Laufe des Monats ständig ändernden Positionen ISONs. Ob sich sein Schweif tatsächlich so deutlich ausbilden wird, bleibt abzuwarten. Bildquelle: Winfried Kräling

Jüngste Auswertungen von Bildern des Weltraumteleskops HUBBLE liefern immerhin eine Erklärung dafür, warum ISONs Helligkeit bisher nur so langsam zunimmt: Der fliegt nämlich kurioserweise mit seinem Nordpol voraus Richtung Sonne, wodurch ihr immer die gleiche Seite des Kometen zugewandt ist. Dadurch wird dieser nur einseitig, dafür aber überaus gleichmäßig erwärmt, sodass leicht flüchtige Substanzen viel kontinuierlicher austreten, als bei Kometen, bei denen sich durch Tag-Nacht-Rotation Phasen der Erhitzung und Abkühlung abwechseln.

Das wird sich jedoch kurz vor ISONs Umrundung der Sonne schlagartig ändern. Dann werden die zuvor noch dunklen und damit auch kalten Bereiche des Kometen plötzlich intensiv bestrahlt und erhitzt, so dass dann sehr abrupt intensive Helligkeitsausbrüche möglich sind. Und weil sich ISON der Sonne zum ersten Mal nähert, dürfte sein Vorrat an flüchtigem Material noch groß sein. Auf jeden Fall bleibt es spannend, ob sich der Komet letztlich zum unscheinbaren Flop oder doch noch zum vielbeschworenen "Jahrhundertkometen" entwickeln wird.

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