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Klimawandel

Dienstag, 23.05.2017

Überraschung in der Namibwüste

Nebel kommt nicht nur vom Ozean

Der berühmte Nebel der Namibwüste wird vom Ozean gespeist - so die gängige Lehrmeinung. Doch eine Studie enthüllt die wahre Hauptquelle für den lebenswichtigen Nebel in Namibia und eine beunruhigende Veränderung.

Die riesigen Sanddünen Namibias reichen direkt bis an den Südatlantik. Über dem kalten Meerwasser bildet sich an bis zu 200 Tagen im Jahr Nebel.

Die Namibwüste ist eine der trockensten Sandwüsten der Welt. Trockenzeiten dauern manchmal Jahrzehnte. Denn der kalte Benguelastrom vor der Südwestküste Afrikas verhindert die Bildung von Regenwolken. Über dem 15 Grad kühlen Meerwasser kann die Luft nicht aufsteigen. Einzige Wasserquellen für viele Tiere und Pflanzen sind Nebel und Tau. Dass die Feuchtigkeit hierfür vom Meer kommt, schien bisher klar. Doch US-Forscher haben nun erstmals genauer untersucht, woher der Nebel kommt und dabei eine überraschende Entdeckung gemacht.

Der Ökohydrologe Lixin Wang von der Purdue University in Indianapolis hat die Herkunft des Wassers in Nebel und Tau analysiert. Durch die Bestimmung der Anzahl der Sauerstoff-Isotope konnte er die Feuchte ihren ursprünglichen Quellen zuordnen. Dabei stellte sich heraus, dass nicht der Ozean die Hauptursache für den Nebel ist, sondern die Wüste selbst. Gerade mal knapp 40 Prozent des Nebels im küstennah liegenden Probengebiet stammen vom Meer, der große Rest aus dem vermeintlich trockenen Boden.

Auch im Inneren der Namib gibt es morgens häufig Nebel. Die Feuchtigkeit vom Meer spielt dort aber nicht die Hauptrolle.

Die spärliche Wüstenvegetation fördert das Grundwasser nach oben. Rekordhalter ist die Akazie, die in der Namib bis zu 80 Meter tief wurzelt. Auch spielen ausgetrocknete Flüsse wohl eine viel größere Rolle als angenommen. Denn ein Teil der Feuchtigkeit stammt aus dem dort höher liegenden Grundwasser. Durch die starke Verdunstung in der Wüste wird das Wasser tagsüber förmlich aus der Tiefe gesogen. Die folgende nächtliche Abkühlung lässt die Feuchtigkeit dann kondensieren.

Noch etwas stellten die Wissenschaftler fest: Der Küstennebel ist auf dem Rückzug. Früher reichte er regelmäßig bis zu 60 Kilometer ins Landesinnere. Aufgrund des Klimawandels kühlt es nun in den Nächten immer seltener auf eine Temperatur ab, bei der die Luft kondensiert. Damit dehnt er sich nicht mehr so weit aus wie früher oder er bildet sich erst gar nicht. Dies kann schwerwiegende Folgen für die Flora und Fauna vor Ort haben, die sich auf die extremen Lebensbedingungen in Namibia spezialisiert hat.

Am 9. Juni macht sich die WetterOnline-Reisegruppe auf nach Namibia. Wir werden von vor Ort immer wieder über die atemberaubende Landschaft, die exotischen Tiere und das spannende Wüstenklima berichten.

Die Reisegruppe der WetterOnline-Wettersafari schaut sich demnächst das Phänomen des Küstennebels in Namibia aus der Luft und zu Land genauer an. Einer unserer Meteorologen wird die Reise begleiten und die spannenden Phänomene erklären.

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