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Donnerstag, 13.06.2019

Silberschleier am Nordhimmel

Zeit der Leuchtenden Nachtwolken

In den hellen Nächten rund um die Sommersonnenwende können Nachtschwärmer mit etwas Glück Silberschleier am Nordhorizont beobachten. Hierbei handelt es sich um Leuchtende Nachtwolken. Ihre Entstehung ist noch nicht ganz geklärt.

Bei den Leuchtenden Nachtwolken handelt es sich um Eiswolkenschleier in rund 80 Kilometer Höhe. Im Gegensatz zu den Wolken in tieferen Luftschichten werden die Eiskristalle weiter oben nachts noch angestrahlt. Bild: Tobias Bonte

Ein ganz besonderes Himmelsspektakel ist derzeit zu bestaunen: In klaren Nächten erleuchten ab Mitternacht helle Wolken den Nordhimmel. Diese sogenannten Leuchtenden Nachtwolken erscheinen oft als Schleier mit faserigen Strukturen. Sie können sich aber auch in Streifen, Bändern, Wirbeln und Wellen mit diffusen oder scharfen Kanten formieren. Da die Sonne nicht weit unter dem Horizont steht, heben sich die silbrig schimmernden Fäden und Schleier hell genug von den tieferen, dunkleren Wolken ab.

Das Licht der Sonne wird von den Leuchtenden Nachtwolken noch reflektiert. Das passiert nur kurz nach Sonnenuntergang oder kurz vor Sonnenaufgang.

Dies ist im Zeitraum von Ende Mai bis Ende Juli in den späten Abend- und frühen Morgenstunden der Fall. Dann sinkt die Sonne nur zwischen 6° und 16° unter den Horizont. Leuchtende Nachtwolken entstehen in der Mesosphäre in einer Höhe zwischen 80 und 85 Kilometer meist über polaren Regionen. Sie bestehen aus kleinsten Eiskristallen und sind so dünn und transparent, dass sie tagsüber unsichtbar bleiben. In den Polregionen sind sie wiederum nicht zu sehen, da die Sonne im Sommer nicht untergeht und es dann zu hell ist.

Kurioserweise ist der Entstehungsprozess von Leuchtenden Nachtwolken bis heute nicht vollkommen geklärt. Damit sich in einer Höhe von über 80 Kilometer bei einer extrem niedrigen Wasserdampfkonzentration überhaupt Eis bilden kann, muss die Temperatur dort auf unter minus 130 Grad absinken. Messungen zufolge geschieht dies nur zwischen Mitte Mai und Mitte August. Im Gegensatz zu erdnahen Luftschichten heizt sich die höhere Atmosphäre im Sommer nicht auf, sondern kühlt im Gegenteil sogar stark ab.

Staubpartikel dienen zusätzlich als Kondensationskerne. Sie stammen von winzigen Resten verglühter Meteoren oder feinsten Rückständen gewaltiger Vulkanausbrüche. Leuchtende Nachtwolken erscheinen überwiegend in blassen Blautönen und gelegentlich auch noch in gelben Farbtönen. Alle anderen Farbbestandteile des Lichtes werden durch die Erdatmosphäre und die Ozonschicht gefiltert. Für den Betrachter am Erdboden ergibt sich immer ein beeindruckender Farbverlauf mit faszinierenden Mustern.

Ein rötlicher Schimmer zieht sich über den Horizont. Er entsteht jedoch durch die Dämmerung in der unteren Atmosphäre, darüber schimmern die Leuchtenden Nachtwolken in silbernen Tönen. Bild: Volker Kaes via WetterMelder Deutschland

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