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Freitag, 29.10.2021

Plasmaausbruch auf der Sonne

Polarlichter bis zu den Alpen?

Am Donnerstagabend hat es auf der Sonne einen starken Plasmaausbuch gegeben. Die ausgeworfene Teilchenwolke rast Richtung Erde und könnte in den kommenden Nächten bis in mittlere Breiten sichtbare Polarlichter auslösen.

Rötliches Polarlicht am Himmel über Herzogswalde nahe Dresden in Sachsen im März 2016. Bild: Heiko Ulbricht

Der Ausbruch auf der Sonne, ein sogenannter X Class Flare, zählt zu den stärksten des aktuellen Sonnenzyklus. Treffen die Teilchenwolken solcher Ausbrüche auf die Erde, lösen sie einen geomagnetischen Sturm aus. Dabei lenkt das Magnetfeld unseres Heimatplaneten die energiereichen Teilchen entlang der Magnetfeldlinien in Richtung der Pole ab, wo sie spektakuläre Polarlichter auslösen können. Gleichzeitig wird das Magnetfeld und sogar die Hochatmosphäre unter dem Ansturm der Teilchen verformt, wodurch erdnahe Satelliten Schaden nehmen können.

Eine ähnlich starke Eruption im Sommer 2021 hatte einen rund einstündigen Ausfall des GPS-Systems und stundenlange Störungen im Radioempfang zur Folge. Dabei war dieser Ausbruch noch nicht einmal erdgerichtet. Und auch wenn die Risiken für die technische Infrastruktur meist überschaubar bleiben: Die Sonne kann noch weitaus stärkere Ausbrüche, sogenannte "Superflares", hervorbringen. Diese sind zwar extrem selten, haben jedoch das Potenzial, neben dem Ausfall von Kommunikationseinrichtungen sogar großflächige Stromausfälle zu verursachen.

So sieht der Ausschlag der Eruption in den Messdaten des GOES-15 Wettersatelliten aus.

Solche Gefahren bestehen derzeit aber zum Glück nicht. Experten gehen davon aus, dass der aktuelle Sonnenzyklus selbst bei seinem für den Sommer 2025 erwarteten Höhepunkt eher schwach ausfallen wird. Bleiben die erhöhten Chancen für Polarlichter, die bei starken geomagnetischen Stürmen manchmal bis in mittlere Breiten zu sehen sind. Das könnte auch in den beiden kommenden Nächten der Fall sein. Mit etwas Glück sind schon Samstag früh, wahrscheinlich aber erst in der Nacht zum Sonntag Polarlichter auch am Himmel über Deutschland möglich.

In hohen Breiten sind Polarlichter im dunklen Winterhalbjahr beinahe an der Tagesordnung. Auch schwächere Eruptionen auf der Sonne bringen dort häufig Polarlichter hervor. Bild: Alex Yakovlev and Meteodnevnik via Facebook

Das Handicap dabei: Das Wetter spielt nicht wirklich mit. Zwar beginnt die Nacht zum Samstag noch vielfach klar, doch in den Frühstunden verhüllen im Westen zunehmend dichtere Wolken den Blick in den Sternenhimmel. In der Osthälfte trüben dann in den Flusstälern gebietsweise Dunst- oder Nebelfelder etwaige Beobachtungsfreuden. Sollte der erwartete geomagnetische Sturm dann jedoch bereits in Gang gekommen sein, könnten geduldige Beobachter vor allem im Nordosten des Landes, in Ostseenähe, mit etwas Glück auch die ersten Polarlichter erspähen.

In der Nacht zum Sonntag schwinden dann die Chancen, das seltene Himmelsschauspiel noch zu Gesicht zu bekommen. Zwar ist der Magnetsturm dann voraussichtlich am aktivsten, doch ziehen immer mehr Wolken auf. Nur im äußersten Osten sind die Wolken anfangs noch dünn. Im Westen bleibt der Himmel sogar komplett bedeckt. Im Laufe der Nacht werden die Chancen für Wolkenlücken dann in der Landesmitte und im Süden zwar etwas größer, doch ob durch diese dann auch tatsächlich Polarlichter zu sehen sind, steht noch buchstäblich in den Sternen.

(Ein Bericht von Jürgen Vollmer aus der WetterOnline-Redaktion)

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