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Sonntag, 08.08.2021

Feuerinferno in Griechenland

Hoffnung auf Regengüsse

In fast allen Brandgebieten Südeuropas toben die Flammen mit unverminderter Intensität. Große Waldflächen wurden bereits zerstört. Erst am Donnerstag könnte ein Tief zumindest in Griechenland für eine Entspannung sorgen.

Dunkle Rauchwolken ziehen über die Insel Euböa nordöstlich von Athen. Die Waldbrände nähern sich den Ortschaften. Bild: dpa

In Griechenland stehen große Teile der Insel Euböa und der Halbinsel Peloponnes in Flammen. Mit allen Mitteln kämpften die Menschen dort in der Nacht zum Samstag gegen die Waldbrände. Fast 500 Feuerwehrleute und zahllose Bürger waren auf der Insel nordwestlich von Athen im Einsatz. Die Anwohner versuchten, mit Traktoren Schneisen zu schlagen und das Übergreifen der Flammen auf ihre Häuser zu verhindern. Der gefährlichste Brand tobte dort südlich der Kleinstadt Megalopolis.

Die Waldbrände hinterlassen riesige verkohlte Waldflächen nördlich von Athen. Die Flammen haben auch dieses Fahrzeug zerstört. Bild: dpa

Ein weiterer Brand fraß sich aus dem Westen der Insel bei Olympia immer weiter ins dicht bewaldete gebirgige Arkadien im Inneren der Halbinsel. Verbreitet fiel der Strom aus und immer mehr Ortschaften werden evakuiert. Die Rauchschwaden ziehen zum Teil bis ins 100 Kilometer entfernte Athen und sind auch von den umliegenden Inseln aus gut zu sehen - ebenso wie der Feuerschein in der Nacht.

Zum Wochenstart werden im Landesinnern Griechenlands wieder Spitzenwerte um 40 Grad erreicht, wie im TemperaturRadar zu sehen ist.

Am Samstagabend kamen zwei Hubschrauber samt Besatzung aus Ägypten an. Deutschland schickt 200 Feuerwehrleute und Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks. Die Hilfe ist dringend nötig, denn die Einsatzkräfte und die Bewohner der betroffenen Regionen sind am Ende ihrer Kräfte. Neben der Feuerwehr ist dort auch das Militär im Einsatz, um neue Großbrände zu verhindern. Zunehmend erreichen Freiwillige aus anderen Landesteilen und auch Helfer aus dem Ausland die Krisengebiete.

Im Norden der griechischen Hauptstadt entspannte sich die Lage indessen. Kleinere Brandherde wurden gelöscht. Allerdings wird das Ausmaß der Schäden immer deutlicher. Mehr als 300 Häuser und Industriebauten brannten nieder. Schwierigkeiten bereitet der Wiederaufbau des Stromnetzes. Mindestens 1300 Strommasten wurden zerstört und müssen ausgetauscht werden. Auch die Wasserversorgung ist noch nicht vollständig wiederhergestellt. Noch gar nicht abzuschätzen ist der ökologische Schaden durch die große Fläche verbrannten Waldes.

In der zweiten Wochenhälfte sieht es nicht mehr ganz so trocken aus. Die Wettermodelle berechnen 10 bis 20 Liter Regen pro Quadratmeter, örtlich auch mehr.

Hoffnung auf eine Entspannung der Brände macht ein Tief nach Wochenmitte, das vom Balkan zum östlichen Mittelmeerraum zieht. Es bringt nach jetzigem Stand auch in den von den Waldbränden betroffenen Regionen Regengüsse. Ob es auch zu länger anhaltenden Niederschlägen kommt, die die Feuer endgültig löschen, ist eher unwahrscheinlich. Doch bei der Brandbekämpfung kann jeder Tropfen von oben helfen.

Rund um den Ätna auf Sizilien brennt die Vegetation. Bild: dpa

Auch in Italien ist die Feuerwehr im Dauereinsatz. Mehr als 180 Mal rückte sie am Samstag allein auf Sizilien wegen Waldbränden aus. Die beliebte Urlaubsinsel war damit am stärksten betroffen. Größere Brände gab es zudem in Kalabrien im äußersten Süden Italiens und in Apulien an der Adria. In Kalabrien loderten die Flammen unter anderem in einem Nationalpark. In der Türkei waren sechs Brände weiterhin außer Kontrolle. Vielerorts war nachts aus der Ferne der rote Schein des Feuers zu sehen, roch es nach Rauch und es regnete Asche.

Ein neues Feuer wütet im Wald in der Nähe von Mugla im Südwesten der Türkei. In der Provinz schienen zuvor die meisten Brände am Samstag unter Kontrolle zu sein. Bild: dpa

Die Einsatzkräfte konzentrierten sich vor allem auf die westtürkische Provinz Mugla. Dort erschwerten starke Winde die Löscharbeiten. Es sind die schwersten Waldbrände seit mehr als zehn Jahren. Im südtürkischen Antalya hat sich die Lage unterdessen entspannt. Landesweit wurden nach erster Schätzung weit über 100.000 Hektar Fläche zerstört. Das entspricht einer Fläche, die etwa doppelt so groß ist wie der Bodensee. Mindestens acht Menschen sind in der Türkei durch die Flammen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt.

Die Hitzewelle und Trockenheit begünstigen die Ausbreitung der Flammen. Aber mehr als die Hälfte der Feuer werden mit voller Absicht gelegt, wie die italienische Umweltorganisation Legambiente mitteilt. Oft sind Bauern oder Hirten für die Feuer verantwortlich. Sie zündeten Wälder an, um neue Weide- und Anbauflächen zu gewinnen. Auch kriminelle Organisationen und Bodenspekulanten gelten als Brandstifter. So legt die Mafia absichtlich Feuer im Nationalpark am Vesuv. Damit gewinnen sie Boden für ihre illegalen Mülldeponien.

(Ein Bericht von Tommy Kühnlein aus der WetterOnline-Redaktion)

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