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Donnerstag, 07.10.2021

Europas Vulkane in Aufruhr

Beeinflussen Vulkane das Klima?

Seit Januar macht der Ätna auf Sizilien immer wieder durch gewaltige Ausbrüche von sich reden. Im März kam ein Vulkan auf Island hinzu und seit Mitte September spuckt ein Vulkan auf der Kanareninsel La Palma Lava, Asche und giftige Gase. Angesichts der Häufung solcher Eruptionen fragt man sich, ob Vulkanausbrüche auch Einfluss auf unser Klima haben.

Europas höchster, aktiver Vulkan, der Ätna auf Sizilien, schleudert seit Anfang des Jahres immer wieder Staub und Asche viele Kilometer hoch in den Himmel. Bild: Giuseppe Scandura

Kein seriöser Wissenschaftler zweifelt noch daran, dass die wachsenden Emissionen von Treibhausgasen wie CO2 in die Atmosphäre langfristig zu einer Erwärmung des Klimas führen. Forscher versuchen mittels Modellberechnungen das Ausmaß und die Folgen dieses vom Menschen mitverursachten Klimawandels zu erfassen und Wege zu finden, mit denen der Erderwärmung entgegengesteuert werden kann. Doch was ist mit den ebenfalls klimawirksamen Gasen, die von Vulkanen freigesetzt werden? Könnten massive Vulkanausbrüche all diese Bemühungen zunichte machen?

Das Video erklärt, unter welchen Bedingungen Vulkaneruptionen das Klima verändern. Verena Leyendecker berichtet von ihrer Wetterweltreise von der vulkanischen Nordinsel Neuseelands.

Die Antwort ist ein klares Jein. Ja, weil große Vulkanausbrüche durchaus dazu in der Lage sind, kurzfristig Einfluss aufs Klima zu nehmen und dies in der Vergangenheit auch schon getan haben. Und nein, weil die meisten Vulkanausbrüche viel zu klein sind, um nachhaltige Klimaänderungen auslösen zu können.

Am 19. September begann auf der Kanareninsel La Palma der aktuelle Vulkanausbruch. Er setzte innerhalb von nur zweieinhalb Wochen fast so viel Lava frei wie der Island-Vulkan in sechs Monaten.

Die alles entscheidende Frage ist daher, wie "groß" ein Vulkanausbruch ist, also wie viel Material in Form von Staub, Asche, Lava und Gasen er tatsächlich auswirft. Dazu nutzen Vulkanologen den Vulkanexplosivitätsindex, abgekürzt VEI, der die Stärke einer Eruption in den logarithmisch aufgebauten Stufen 0 bis 8 beschreibt. VEI-0 entspricht nicht explosiven Eruptionen vom Typ hawaiianischer Vulkane wie dem Kilauea. VEI-8 beschreibt dagegen Eruptionen von Supervulkanen wie dem Yellowstone vor 630.000 Jahren oder dem Toba vor 75.000 Jahren.

Die Eruption des Mount St. Helens im Jahre 1980 entsprach der "mittelstarken" VEI-Stufe 5. Rund 3 Kubikkilometer Gestein wurden ausgeworfen und die Eruptionswolke stieg bis in 18 Kilometer Höhe auf. Bild: dpa

Nach dem mit VEI-5 mittelstarken Ausbruch des Mount St. Helens im Jahre 1980 gingen die Temperaturen in den USA vor allem durch Minderung der Sonneneinstrahlung für einige Tage etwas zurück, global war der Effekt aber nicht nachweisbar. Dagegen bewirkte die VEI-6-Eruption des philippinischen Vulkans Pinatubo im Jahr 1991 ein Jahr lang eine weltweite Abkühlung um 0,5 Grad. Schuld war die enorme Menge von 20 Millionen Tonnen Schwefeldioxid (SO2), das bis in die Stratosphäre befördert worden war, wo es klimakühlende Schwefelsäurewolken bildete.

Der Ausbruch des philippinischen Vulkans Mt. Pinatubo im Juni 1991 gilt als eine der größten Vulkaneruptionen der Neuzeit. Seine Aschesäule erreichte eine Höhe von 34 Kilometer. Bild: dpa

Noch stärkere Abkühlungen des Erdklimas folgten in der Neuzeit den Ausbrüchen der indonesischen Vulkane Krakatau 1883 und des Tambora 1815, wobei letzterer eine Eruption der Stärke VEI-7 hervorbrachte. Das war die stärkste Vulkaneruption seit mehr als 22.000 Jahren. Dieser gigantische Vulkanausbruch verursachte eine weltweit so starke Abkühlung, dass das Jahr 1816 in Nordamerika und Europa die Bezeichnung "Jahr ohne Sommer" erhielt. Missernten und Hungersnöte in der gesamten nördlichen Hemisphäre waren die Folge.

Zu Besuch auf dem Vulkan Tambora in Indonesien. Es gibt wohl nur wenige Vulkane, die die Menschheit auf der ganzen Welt so beeinflusst haben.

Angesichts jener gewaltigen historischen Eruptionen sind die aktuellen Vulkanausbrüche fürs Erdklima nahezu bedeutungslos. Keiner der europäischen Feuerberge vermochte Schwefeldioxid oder Asche auch nur bis in die Nähe der Stratosphäre zu schießen und erst recht nicht in den Mengen, die für eine messbare Klimarelevanz erforderlich wären. Zudem sind ihre Eruptionen nur teilweise explosiv und verlaufen sonst vergleichsweise ruhig. Der Ausbruch des La Palma-Vulkans bewegt sich irgendwo nahe der Grenze von VEI-1 zu VEI-2.

(Ein Bericht von Jürgen Vollmer aus der WetterOnline-Redaktion)

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