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Mittwoch, 13.05.2020

Erstmals Wetter berücksichtigt

Lockdown verbessert Luftqualität

Weniger Verkehr wegen der Corona-Krise bedeutet eine geringere Stickoxidbelastung. Das klingt logisch, ist aber nicht einfach nachweisbar. Denn die Konzentration wird auch von anderen Effekten wie dem Wetter beeinflusst. Nun haben Forscher erstmals diesen Wettereffekt herausgerechnet und eindeutige Belege gefunden.

Stickstoffdioxid (NO2) entsteht unter anderem bei der Verbrennung von Kohle, Gas und Diesel. Die Konzentration ist an vielen Messstationen nach dem Lockdown zurückgegangen, dennoch überschreiten einzelne Stationen die Grenzwerte. Dies kann viele lokal bedingte Gründe haben.

Eine große Rolle spielt auch das Wetter. So reichern sich bei Inversionswetterlagen Schadstoffe an, während kräftiger Wind sie verteilt. Regenfälle können die Schadstoffe hingegen auswaschen. Betrachtungen über eine große Fläche und Zeit unabhängig vom Wetter sind somit wichtig.

Die Karte zeigt die mit dem Satelliten Copernicus Sentinel-5 ermittelte Konzentration von Stickstoffdioxid (NO2) über Italien. Links die durchschnittliche Belastung im März 2019 und rechts diejenige im Zeitraum vom 14. bis 25. März 2020. Bild: ESA

Daten über eine große Fläche liefert zum Beispiel der Copernicus Sentinel-5 Satellit. Erstmals hat die Europäische Weltraumorganisation (ESA) im März Bilder von der von Corona stark betroffenen Lombardei in Norditalien veröffentlicht. Über einen Zeitraum von zehn Tagen wurde die Konzentration von Stickoxid gemittelt und mit dem Vorjahreszeitraum verglichen. Demnach nahm die Konzentration deutlich ab. Hierbei wurde jedoch keine wetterbedingte Bereinigung durchgeführt.

So hätte ein zeitweiser kräftiger Ostwind wahrscheinlich auch ohne Verkehrsbeschränkungen zu einer geringeren Schadstoffbelastung in der Region geführt. Wissenschaftler des Earth Observation Center (EOC) im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben nun erstmals diesen Wettereffekt für die Lombardei herausgerechnet.

Die Abbildung zeigt die Differenz zwischen der tatsächlich gemessenen und vom Modell prognostizierten NO2-Konzentration für die Lombardei bei üblichem Verkehrsaufkommen. Ab dem 8. März bleiben die Messungen unter ihren Erwartungen. Bild: DLR (CC-BY 3.0)

Dazu starteten die Forscher mit einem Mittelwert der Emissionen der vergangenen Jahre ein Computermodell. Bei dieser Berechnung geht das tatsächliche Wetter mit ein. Das Modell liefert nun für 2020 wetterbereinigte Prognosen für die Schadstoffwerte. Und tatsächlich: Ab dem 8. März liegen die gemessenen Werte unter den Modellwerten. Der Lockdown in der Lombardei hat demnach zu einer Reduktion der NO2-Belastung um etwa 45 Prozent geführt.

Ähnlich komplex wie bei den Stickoxiden ist auch der Nachweis des Corona-Effekts auf den Feinstaub. So werden immer wieder erhöhte Feinstaubwerte gemessen. Im Top-Thema Feinstaub trotz Corona-Krise nennen wir Gründe.

Quelle: DLR - Corona-Effekt auf die Luftqualität nun eindeutig

(Ein Bericht von Verena Leyendecker aus der WetterOnline-Redaktion)

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