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Sonntag, 11.10.2015

Das Orakel der "Wetterkerze"

Droht ein Jahrtausendwinter?

Kaum stehen die ersten kalten Tage vor der Tür, haben Winterpropheten auch schon wieder Hochkonjunktur. Pfiffige Geister verstehen es exzellent, sogar noch die abenteuerlichsten Orakel in Szene zu setzen. Aber was ist dran, am jetzt verkündeten "Jahrtausendwinter"?

Drohen im kommenden Winter Schneechaos und eisiger Frost, wie im Jahrhundertwinter 1978/79 in Norddeutschland? Bild: Kai Greiser

In diesem Jahr ist es ein "Schnee-Orakel" aus dem bayerischen Benediktbeuren, das unter großem Mediengetöse die Offenbarungen der "Wetterkerze" zum Besten gibt: Ein "Jahrtausendwinter" stehe uns bevor. Das bayerische Urgestein stützt seine alarmierende Prognose auf die Blütenstände der heimischen Königskerze, einer einstieligen Heilpflanze aus der Familie der Braunwurzgewächse. Aus ihnen lasse sich ein äußerst harter und schneereicher Winter ablesen, der erst im März nächsten Jahres wieder enden werde.

Die kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus). Vermag sie tatsächlich zukünftiges Wetter vorauszusehen? Oder reagiert sie - wie alle anderen Pflanzen auch - lediglich auf gerade einwirkende Wetterreize? Bild: dpa

Wie aber kommt man zu einer so bestechenden Deutung? Nun, die Blütenstände der Königskerze bilden - ähnlich den Mustern in handgerührtem Kaffeesatz - unregelmäßige Strukturen aus, die aber weit besser von zufälligen Formen zu unterscheiden sind. Bleibt ein Blütenstand taub, kann sich hinter diesem Zeichen nur ein Schneesturm verbergen, fällt die Blüte gar ab, friert selbst der Bodensee zu! Jetzt muss man nur noch anhand der Höhe der Pflanze erkennen, wann genau dies alles geschieht und schon scheint die unfehlbare Prognose perfekt.

Andere "Experten" haben es deutlich schwerer: Sie müssen kommendes Wetter mühsam aus dem Laubfall der Bäume oder der Zahl der Haselnüsse in einem Eichhörnchenbau ablesen. Ganz Schlaue haben sogar Verfahren entwickelt, die experimentelle Computerberechnungen offenbar mit dem Paarungsverhalten von Laubfröschen kombinieren. So ließe sich etwa der unterkühlte "Gruselsommer" erklären, den ein immer wieder gern zitierter Langfrist-Prophet dieses Frühjahr vollmundig verkündigt hatte. Der Winter - so fabuliert dieser jetzt - wird dafür nass und mild.

Weite Teile des Nordatlantiks sind in diesem Herbst deutlich kälter als sonst. Vermutungen, dies könne ein Indiz für einen kalten Winter sein, sind jedoch reine Spekulation. Bild: NOAA

Wie aber wird der Winter nun wirklich? Gibt es überhaupt seriöse Prognosen für seinen Verlauf? Die Antwort ist ein klares Nein! Wetter unterliegt dem sogenannten Chaos-Prinzip, was nichts anderes bedeutet, als dass schon geringfügige Störungen eines Musters völlig gegensätzliche Entwicklungen anstoßen können, aber nicht müssen. Daher sind Vorhersagen über wenige Tage hinaus schlichtweg unmöglich. Zwar könnte der dieser Tage kalte Nordatlantik Indiz für einen kalten Winter sein, ebenso gut könnte aber auch das glatte Gegenteil der Fall sein.

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