WetterOnline ( http://www.wetteronline.de )

Wetternews

Dienstag, 26.09.2017

Sibirisch oder mediterran

Der Unsinn vom Jahrhundertwinter

Winterprognosen erfreuen sich derzeit wieder großer Beliebtheit. Von Schnee und Eis bis superlau ist für jeden Geschmack etwas dabei. Derlei Gegensätze zeigen, wie unseriös das Geschäft mit den angeblichen Vorhersagen ist.

Auch im kommenden Winter wird es mit Sicherheit wieder Phasen mit Schnee und Eis geben, genauso wie deutlich mildere Abschnitte.

Britische Forscher haben für Europa einen Jahrhundertwinter angekündigt. Die Prognose stützt sich auf den Zyklus der Sonnenflecken. Es wird davon ausgegangen, dass um die Zeit des Minimums der Sonnenflecken (bei uns um das Jahr 2020 herum) besonders kalte Winter auftreten. Wissenschaftlich betrachtet ist ein Zusammenhang zwischen dem Minimum der Sonnenflecken und einem Kaltwinter aber nur schwer auszumachen. Auch ein direkter Zusammenhang der Aktivität auf der Sonne mit dem Wetter ist mehr als fragwürdig.

Die Grafik zeigt die vom Langfristmodell CFS des amerikanischen Wetterdienstes erwarteten Temperaturabweichungen in der Zeit von Dezember 2017 bis Februar 2018. Bild NOAA

Nach den Berechnungen des experimentellen Langfristmodells CFS des amerikanischen Wetterdienstes NOAA erwartet uns ein überdurchschnittlich milder Winter. Dem Modell zufolge soll das Temperaturplus in weiten Teilen Europas mehr als ein Grad betragen. Nur der Frühwinter im Dezember könnte demnach recht kalt ausfallen. Wie der Name "experimentell" allerdings sagt, ist das Ganze noch lange nicht sicher. Bei diesen Modellvorschlägen handelt es sich lediglich um grobe Tendenzen, die aus den Wetterlagen der letzten Wochen berechnet wurden.

Die kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus). Vermag sie tatsächlich zukünftiges Wetter vorauszusehen? Oder reagiert sie - wie alle anderen Pflanzen auch - lediglich auf gerade einwirkende Wetterreize? Bild: dpa

Auch die Königskerze, eine einstielige Heilpflanze aus der Familie der Braunwurzgewächse, muss natürlich wieder für eine Winterprognose herhalten. Demnach sollen wir vor allem im Spätwinter und Frühjahr 2018 mit längeren Kältephasen rechnen müssen. Für Schnee- und Kälteliebhaber besteht aber begründete Hoffnung: Es ist noch nicht lange her, als diese Pflanze uns einen drohenden Jahrtausendwinter prophezeite. Und der ist nicht nur ausgeblieben, sondern im Gegenteil: Der folgende Winter war tatsächlich so lau wie lange nicht.

Da hilft auch der Blick in den Himmel nichts: Wie der kommende Winter wird, weiß trotz all der schillernden und als "Prognosen" bezeichneten Spekulationen bisher noch niemand.

Wie aber wird der Winter nun wirklich? Gibt es überhaupt seriöse Prognosen für seinen Verlauf? Die Antwort ist ein klares Nein! Wetter unterliegt dem sogenannten Chaos-Prinzip, was nichts anderes bedeutet, als dass schon geringfügige Störungen eines Musters völlig gegensätzliche Entwicklungen anstoßen können, aber nicht müssen. Daher sind Vorhersagen über Wochen und Monate hinaus schlichtweg nicht möglich.

Link zu dieser Seite / Seite empfehlen

Das Wetter in ...