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Zermürbende Ungewissheit - Warten auf Ausbruch des Island-Vulkans

19:44
21. November 2023

Zermürbende Ungewissheit
Warten auf Ausbruch des Island-Vulkans

GrindavikMitten in der Küstenstadt Grindavik im Südwesten Islands hat sich letzte Woche eine Erdspalte aufgetan. Austretender Dampf und vulkanische Gase nähren die Furcht vor einem drohenden Vulkanausbruch.

Die Lage auf der von einem Vulkanausbruch bedrohten isländischen Halbinsel Reykjanes ist weiter angespannt. Erdbeben und eine anhaltende Hebung des Bodens nahe der Küstenstadt Grindavik halten die Furcht von einer Eruption hoch.

Seit fast zwei Monaten bebt in Island immer wieder die Erde. Aus Spalten und Rissen im Untergrund der Halbinsel Reykjanes, im Südwesten des Landes, entweichen Dampf und vulkanische Gase. Die Küstenstadt Grindavik wurde deshalb bereits evakuiert. Vulkanologen rätseln nicht mehr ob, sondern wann und wo genau es zu einer Eruption kommen wird.

ReykjanesDie Karte zeigt, wo in Island der Vulkanausbruch droht.

Zwar sind die Erdbeben zuletzt schwächer geworden, doch hat sich die Hebung des Geländes am Wochenende weiter verstärkt. Experten führen dies auf eine anhaltende Magmazufuhr im Untergrund zurück:

15 Kilometer langer Magmatunnel

Die aus tieferen Erdschichten aufsteigende Magma breitet sich entlang eines gut 15 Kilometer langen Tunnels wenige Hundert Meter unter der Erdoberfläche aus und erhöht den Druck auf das den Weg nach oben versperrende Deckgestein.

Dieser Magmatunnel erstreckt sich von Nordosten kommend unter Teilen der Stadt hinweg südwestwärts bis unters Meer.

Spalte ReykjanesDie Risikografik des Isländischen Wetterdienstes zeigt, in welchen Regionen die Gefahr eines bevorstehenden Ausbruch am höchsten ist. Je dunkler die Farben, desto wahrscheinlicher ist eine Eruption. - © Icelandic Meteorological Office (IMO)

Wo das Deckgestein am sprödesten und damit am schwächsten ist, könnte die Erde jederzeit aufbrechen und Lava austreten. Niemand kann jedoch sagen, wann und wo genau entlang der linienförmigen Gefahrenzone dies geschehen wird.

Unser WetterReporter Marco Kaschuba war in der vergangenen Woche vor Ort und berichtet aus der evakuierten Küstenstadt, die sich am Südrand des Gebietes mit dem größten Ausbruchsrisiko befindet:

Für die Vulkanologen der Insel ist klar: Dicht unter der Erdkruste hat sich inzwischen ein gewaltiges Reservoir an Magma aufgestaut. Die Fachleute sind sich einig, dass daher im Falle einer Eruption mit großen Mengen austretender Lava zu rechnen ist.

Aufschüttungen sollen vor Lava schützen

Um ein nahegelegenes Erdwärmekraftwerk im Notfall vor der Zerstörung durch Lava zu schützen, haben die Behörden mit der Errichtung von Schutzdämmen aus Erdaufschüttungen begonnen. Zudem wurden mehrere Strommasten auf sichereres Terrain versetzt, um die Energieversorgung auch im Falle nahekommender Lavaströme sicher zu stellen.

AnwohnerAnwohner der Stadt Grindavik dürfen nur für wenige Minuten in ihre Häuser zurückkehren, um die wichtigsten persönlichen Dinge zu retten. - © wetteronline

Für die Bewohner der evakuierten Stadt Grindavik gibt es dagegen kaum Hoffnung auf eine Rückkehr in ihr Zuhause. Teile des Stadtgebietes sind mittlerweile um mehrere Dezimeter abgesunken. Küstennahe Areale drohen daher überflutet zu werden und könnten sogar ganz ins Meer abrutschen.

Die Ungewissheit für die Betroffenen ist zermürbend. Denn obwohl alle Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Eruption sprechen, vermag niemand mit Sicherheit zu sagen, dass es auch tatsächlich nahe der Stadt zum Vulkanausbruch kommt.

Kaum Gefahren für den Luftverkehr

Recht gut abschätzbar ist dagegen, dass es sich im Fall einer Eruption kaum um einen explosiven Ausbruch mit Freisetzung großer Aschemengen handeln wird. Viel wahrscheinlicher ist das Austreten großer Lavamengen entlang einer sich öffnenden Erdspalte, vergleichbar den Eruptionen des nahegelegenen Fagradalsfjall-Vulkansystems im vergangenen Jahr:

Lavafontänen auf Island

+ 8

Im Fall einer solchen Spalteneruption dürften auch diesmal neben Wasserdampf vor allem gesundheitsschädliche vulkanische Gase wie Schwefeldioxid und CO2 freigesetzt werden. Eine Beeinträchtigung des Luftverkehrs wie etwa beim Ausbruch des Gletschervulkans Eyjafjallajökull im Jahre 2010 ist dagegen sehr unwahrscheinlich.

Vulkanausbruch im WetterRadar

WetterRadar Ulawun VulkanIm WetterRadar ist die Rauchfahne und das vulkanische Gewitter am Ulawun deutlich zu erkennen.

Auch in anderen Teilen der Erde brodelt es gewaltig. Auf Papua-Neuguinea brach der Vulkan Ulawun am Montag spektakulär aus. Dabei schleuderte der Feuerberg eine rund 15 Kilometer hohe Aschesäule in den Himmel.

Das WetterRadar zeigt zum Zeitpunkt des Ausbruchs sogar ein Gewitter über dem Vulkan. Dabei handelt es sich um ein vulkanisches Gewitter, das durch Reibung der Aschepartikel ausgelöst wird.

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