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Rückblick: Sonnigster Sommer seit 1951- Dürre in vielen Regionen

13:42
30. August 2022

Dürre in vielen Regionen
Rückblick: Sonnigster Sommer seit 1951

Lang anhaltende Trockenheit hat der Natur zu schaffen gemacht. Wie hier am Rhein unweit von Frankenthal sind die Trockenschäden gut zu erkennen. Die lang anhaltende Trockenheit hat der Natur sehr zu schaffen gemacht. Wie hier am Rhein nahe Frankenthal sind die Trockenschäden gut zu erkennen. - © Antje Jung

Mehrere Hitzewellen, Dürre und viel Sonne - der Sommer 2022 hat neue Maßstäbe gesetzt. Er war der sonnigste seit rund 70 Jahren. Die spärlichen Niederschläge waren sehr ungleichmäßig verteilt. Die Trockenheit geht vielerorts in die Geschichte ein.

Einen neuen Rekord hat der Sommer bei der Sonnenscheindauer aufgestellt. Mit durchschnittlich 820 Sonnenstunden ist er der sonnigste Sommer, seitdem die Sonnenscheinstunden im Jahre 1951 aufgezeichnet werden. Der bisherige Rekord mit 793,3 Stunden stammt aus dem Jahr 2003.

Sonnenscheinrekord 2022Der Sommer 2022 war der sonnigste seit 1951. Ab diesem Jahr wurde die Sonnenscheindauer erst kontinuierlich geführt.

Am Oberrhein schien die Sonne in den letzten drei Monaten fast 1000 Stunden. Mehr Wolken hielten sich dagegen an den nordfriesischen Inseln, teilweise an der Ostseeküste und am Alpenrand. Die Sonnenscheindauer lag aber auch dort im Vergleich zum langjährigen Mittel im Durchschnitt.

Sommer bei Hitze in den Top 4

Der diesjährige Sommer gehört mit einer bundesweiten Mitteltemperatur von 19,2 Grad zu den heißesten und landet auf Platz 4. Die Topliste führt nach wie vor der Sommer 2003 mit einer Durchschnittstemperatur von 19,7 Grad, gefolgt von 1834 mit 19,5 Grad und 2018 mit 19,3 Grad.

tempDer diesjährige Sommer ist mit 2019 der drittwärmste seit 30 Jahren. Den Rekord führt nach wie vor der Sommer 2003 an.

Hitzewellen mit Spitzenwerte um 35 Grad und darüber brachten uns wiederholt zum Schwitzen. Eine Höchsttemperatur von 40,1 Grad und einen neuen Hitzerekord für Norddeutschland meldete am 20. Juli Hamburg-Neuwiedenthal. Rekorde purzelten auch in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Am selben Tag kletterten die Temperaturen in Barsinghausen und in Huy-Pabstorf auf jeweils 40 Grad. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gab es so weit nördlich noch nie so hohe Werte.

Rekorde wurden auch bei der Anzahl der Hitzetage mit Höchstwerten von mindestens 30 Grad registriert. In Bad Mergentheim in Nordosten Baden-Württembergs zählte man 46 Hitzetage, in Waghäusel bei Mannheim waren es 44 Tage. Keinen einzigen dagegen meldete Kap-Arkona, wo das Temperaturmittel bei knapp 18 Grad lag. Im Rhein-Main-Gebiet war es mit etwa 22 Grad im Mittel am wärmsten.

Der Sommer 2022 in Bildern

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Beachtlich war auch die Anzahl der Tropennächte mit Tiefstwerten nicht unter 20 Grad. Frankfurt/Main-Westend und das Weinbiet im Pfälzer Wald kamen auf 10 solcher Tage, gefolgt von Berlin-Marzahn mit 9 Tagen.

Bodenfrost im Hochsommer

Zwischendurch setzte sich jedoch auch frischere Luft durch. In den wolkenlosen Nächten konnte es ordentlich auskühlen. Gebietsweise sanken die Temperaturen unter die 5-Grad-Marke. Dies war vor allem in den Mittelgebirgstälern der Fall. So zeigte das Thermometer im hessischen Gilserberg-Moischeid am 2. Juni nur 1,1 Grad an, dies ist der Sommertiefstwert. Mancherorts trat auch Bodenfrost auf.

Auch Ende Juli wurden stellenweise Tiefstwerte bis 3 Grad gemessen. Am 28. Juli gab es in Deutschneudorf-Brüderwiese sogar Bodenfrost bis minus 2,5 Grad.

Dürre und Starkregen

Mit rund 145 Liter Regen pro Quadratmeter war der Sommer 2022 im Landesmittel der sechsttrockenste seit Messbeginn. Nur in den Jahren 1976, 1983 und 2018 fiel noch weniger Niederschlag. Am trockensten bleibt der Sommer 1911 mit nur 124 Liter pro Quadratmeter. Die überdurchschnittlich warme und sonnenscheinreiche Sommerwitterung ließ auch die Böden stark austrocknen. Dabei nahm der Rückgang der Bodenfeuchte in Deutschland einen ähnlichen Verlauf wie im Dürrejahr 2018.

Im Südwesten und Westen regnete es teilweise wochenlang nicht. In Nordrhein-Westfalen ist es der zweittrockenste Sommer, in Rheinland-Pfalz der trockenste seit Aufzeichnungsbeginn.

durchschnittliche Regenmenge im Sommer Der Sommer 2022 gehört zu den niederschlagärmsten der vergangenen 30 Jahre. Nur 2018 fiel noch weniger Regen.

In zahlreichen Orten wurden neue Negativrekorde verzeichnet. So reichte es im fränkischen Bad Kissingen nur für knapp 30 Liter Regen pro Quadratmeter, das entspricht nur 15 Prozent des langjährigen Mittels. In Hannover war es der trockenste Sommer seit 1936. Nur knapp 57 Liter Regen gingen dort insgesamt nieder.

Teile Thüringens haben außerdem den 3. Dürresommer innerhalb von 5 Jahren hinter sich. Örtlich wurden nur knapp 50 Liter gemessen. Im Gegensatz dazu gingen mit den Gewittern hohe Niederschlagsmengen einher. Innerhalb eines Tages prasselten punktuell über 50 Liter herunter. Großer Hagel und Sturmböen hinterließen zudem große Schäden, wie beispielsweise Ende Juni am Alpenrand.

Hagelunwetter in Oberbayern

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Am 19. August meldeten einige Orte im Allgäu und in Schwaben sowie am Chiemsee etwa 100 Liter pro Quadratmeter. Am 27. August wurden in Brandenburg und Berlin stellenweise 60 bis 100 Liter verzeichnet.

Die hohen Niederschlagssummen, die sich nur auf wenige Regionen verteilten, zogen den Mittelwert insgesamt nach oben. Dieser täuscht jedoch darüber hinweg, dass die Dürre viel schwerwiegender als die Überflutungen war. Rhein, Elbe und Weser führten Niedrigwasser, in einigen Gegenden trockneten Flussläufe aus und es gab Trinkwassernotstände.

In großen Teilen Ostdeutschlands musste man sogar bis zum August auf Regen warten. Die Waldbrandgefahr stieg auf die höchste Stufe und es brachen mehrere große Feuer aus. Die Natur litt in vielen Gebieten unter der anhaltenden Trockenheit, Blätter verfärbten sich bereits braun, zahlreiche Bäume begannen sogar mit dem Laubabwurf. Wie groß die Trockenschäden in diesem Sommer sind, lässt sich noch nicht genau beziffern.

Natur leidet unter Trockenheit

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