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Jetstream: Einfluss des Klimawandels - Noch viele Fragezeichen

18:33
4. August 2023

Klimawandel
Verändert sich der Jetstream?

Der Jetstream: Als Starkwindband in etwa 10 Kilometer Höhe schlängelt er sich um den Globus. Der Jetstream: Als Starkwindband in etwa 10 Kilometer Höhe schlängelt er sich um den Globus. Der Einfluss des Klimawandels auf ihn zeigt noch ein großes Fragezeichen.

Nach Dürresommern oder Flutkatastrophen wurde oft die These aufgestellt, dass ein mit dem Klimawandel schwächelnder Jetstream eine Ursache dafür ist. Wir zeigen, dass es reichlich Zweifel an dieser Darstellung gibt.

Der Jetstream bestimmt maßgeblich unser Wetter. Aktuell ist er zum Beispiel für die nur mäßig warme und feuchte Witterung verantwortlich. Der Grund dafür ist die südliche Lage des Jetstreams, die vorerst auch noch so bleibt.

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In den vergangenen Jahren lag der Jetstream dagegen oft weit nördlich, sodass sich eine trockene und heiße Wetterlage einstellen konnte. Immer wieder wurden solche "blockierenden Wetterlagen", bei denen Tiefs von uns ferngehalten werden, auf einen durch den Klimawandel schwächelnden Jetstream zurückgeführt.

Daran gibt es im Gegensatz zur Tatsache des menschengemachten Klimawandels durchaus Zweifel. Im obigen Video fasst Verena Leyendecker diese zusammen.

Wie könnte sich der Klimawandel auf den Jetstream auswirken?

Der Klimawandel hat generell viele Einflussmöglichkeiten auf den Jetstream. Ein großer Einflussfaktor ist die sogenannte „Arktische Verstärkung“. Aufgrund des abschmelzenden Eises und einer damit verbundenen positiven Rückkopplung erwärmt sich die Arktis, das Gebiet rund um den Nordpol, deutlich schneller als die Äquatorregion.

Positive Rückkopplung

Durch das abschmelzende Eis in der Arktis ändert sich die Beschaffenheit der Erdoberfläche. Wasser und freiliegender Boden können mehr Sonnenstrahlung aufnehmen als Eis. Sie erwärmen sich damit auch stärker, wodurch noch mehr Eis schmilzt.
Die Arktis erwärmt sich aufgrund positiver Rückkopplungen schneller als der Rest der Nordhalbkugel der Erde. Die Arktis erwärmt sich aufgrund positiver Rückkopplungen schneller als der Rest der Nordhalbkugel der Erde.

Der Temperaturgegensatz zwischen Arktis und Äquator nimmt in der unteren Atmosphäre dadurch ab. Dieser dient aber als Antrieb für die atmosphärische Zirkulation.

Vor allem in den 2010er Jahren gab es wissenschaftliche Veröffentlichungen, wie von Francis und Vavrus im Jahre 2012, die auf einen Rückgang der Jetgeschwindigkeit aufgrund der Arktischen Verstärkung hindeuteten.

Beim Schlingern des Jetstreams entwickeln sich lange Wellen, sogenannte Rossby-Wellen. Tiefdruckgebiete sind  in diese Wellen eingebettet. Beim Schlingern des Jetstreams entwickeln sich lange Wellen, sogenannte Rossby-Wellen. Tiefdruckgebiete sind in diese Wellen eingebettet.

Als Folge dieser Abschwächung wurde unter anderem die Hypothese aufgestellt, dass sich Wellenberge und -täler des Jets langsamer verlagern. Dies hätte zur Folge, dass sich mit ihnen auch die Hoch- und Tiefdruckgebiete langsamer verlagern und somit länger an einer Stelle bleiben.

Darum gibt es Zweifel

Viele Wissenschaftler zweifeln jedoch an einer Schwächung des Jets. So wird zwar in Höhen bis etwa 5000 Meter nach wie vor von einer Abnahme des Temperaturgegensatzes zwischen Arktis und Äquator ausgegangen, in den Höhen darüber allerdings nicht.

Diese Graphik zeigt die zu erwartende Temperaturanomalie nach Breitengrad und Höhe für verschiedene RCP-Klimaszenarien. Diese Grafik zeigt die zu erwartende Temperaturabweichung nach Breitengrad und Höhe für zwei Klimaszenarien. Deutlich ist in der Höhe des Jetstreams (bei etwa 300 hPa) oberhalb des Äquators eine starke Erwärmung (rot) zu erkennen. - © IPCC 2021 (Figure 4.22)

Aufgrund einer starken Erwärmung oberhalb des Äquators nimmt der Temperaturunterschied in etwa 10 Kilometer Höhe zwischen der Polar- und der Äquatorregion sogar noch zu. Von dieser Entwicklung geht zum Beispiel auch der Weltklimarat (IPCC) in seinem aktuellsten Bericht aus.

Hintergrund ist, dass die durch den Klimawandel wärmere Luft am Äquator mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Feuchtere Luft kühlt beim Aufsteigen allerdings langsamer ab als trockene. Somit ist es in großer Höhe wärmer.

Schon gewusst?

Es gibt mehrere Arten von Jetstreams: Den Tropenjet, den Subtropenjet und den Polarfrontjet. In diesem Artikel ist der Polarfrontjet gemeint, da er unser Wetter beeinflusst.

Nun stellt sich die Frage, welcher dieser beiden Effekte den Jetstream dominiert. Davon abgesehen gibt es noch eine Vielzahl anderer Faktoren, die Einfluss auf den Jet haben. Auch die Klimamodelle sind leider nicht eindeutig.

Wie funktionieren Klimamodelle?Mehr erfahren

Professor Ted Shepherd von der Universität Reading forscht anhand von Klimamodellen unter anderem zu den Klimafolgen in der atmosphärischen Zirkulation. Er schreibt: „The bottom line is that there is still considerable uncertainty in how the Jetstream will respond to climate change".

Seiner Ansicht nach bleibt also nach wie vor eine große Unsicherheit, wie der Jetstream auf den Klimawandel reagieren wird.

Fazit

Es gibt viele Theorien, wie sich der Jetstream aufgrund des Klimawandels verändern könnte. Von einem wissenschaftlichen Konsens über sein zukünftiges Verhalten sind wir aber noch weit entfernt. Forschungen werden sicher bald mehr Aufschluss darüber geben.

Das alles ändert jedoch nichts am von der Wissenschaft klar belegten, menschengemachten Klimawandel. Dieser ist und bleibt Realität.

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