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Sonntag, 18.04.2021

Wetterwissen der Vergangenheit

Was ist dran an Bauernregeln?

Wetter lässt sich ungern in die Karten blicken. Dies zeigt schon die alte Volksweisheit: "April, April - der macht, was er will". Aber es sind auch Bauernregeln überliefert, mit deren Hilfe sich das Wetter erstaunlich gut vorhersagen lässt.

"Aprilwetter und Kartenglück wechseln jeden Augenblick". Diese Bauernregel beschreibt besonders anschaulich, wie launisch das Wetter im April oft daherkommt.

Bauernregeln haben ihren Ursprung im Mittelalter, als die Menschen noch weit stärker vom Wetter abhängig waren, als wir es heute sind. Denn Missernten durch Frost, Dürre, Sturm oder hartnäckige Nässe konnten jederzeit Hungersnöte, politische Unruhen, Aufstände oder sogar Kriege auslösen. Verlässliche Wetterprognosen waren daher überlebenswichtig und deshalb achteten die Bauern genau auf die Zeichen der Natur. Sie hofften, durch ihre Beobachtungen Regeln zu finden, die sie wenigstens ein kleines Stück weit in die Wetterzukunft blicken ließen.

Eine Bauernregel, die fast immer stimmt: "Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauern Scheun und Fass". Gerade wenn das Wachstum in die wichtigste Phase tritt, brauchen Pflanzen viel Wasser für die Bildung von Blättern und Früchten.

Allerdings gaben viele Regeln regionale Erkenntnisse wieder, die schon im nächsten Tal nicht mehr gültig sein mussten. Zudem entstanden die meisten Bauernregeln noch vor der Kalenderreform von 1582. Deshalb stimmen ihre Termine nicht mehr mit unserer heutigen Zeitrechnung überein. Infolge der Streichung von zehn Tagen aus dem alten Kalender verschob sich ihr Bezugszeitpunkt auf den Zeitraum zwischen den ursprünglichen Terminen und den zehn Tagen danach. Berücksichtigt man dies, haben viele Bauernregeln einen zumindest wahren Kern.

Der Abt des fränkischen Klosters Langheim, Mauritius Knauer, ging davon aus, dass sich das Wetter alle sieben Jahre wiederholen würde. Er zeichnete seine Wetterbeobachtungen daher sieben Jahre lang auf.

Ganz anders verhält es sich dagegen mit dem 100-jährigen Kalender aus dem 17. Jahrhundert: Dieser fußt auf der Annahme des Abtes Mauritius Knauer, dass das Wetter von den sieben damals bekannten Wandelsternen gelenkt werde. Daher wiederhole es sich mit der Regentschaft dieser Gestirne alle sieben Jahre, sofern nicht andere astrologische Einflüsse zu Abweichungen führten. Die daher nur siebenjährigen Wetteraufzeichnungen des Abtes wurden 1704 von einem findigen Geschäftsmann einfach zu dem berühmten 100-jährigen Kalender fortgeschrieben.

Meteorologisch gesehen taugt dieses gern zitierte Werk allerdings nichts und etwaige Übereinstimmungen sind allein dem Zufall geschuldet. Denn Wetter wiederholt sich nicht alle sieben, geschweige denn alle 100 Jahre und richtet sich weder nach dem Mond noch nach dem Stand von Gestirnen.

(Ein Bericht von Björn Goldhausen aus der WetterOnline-Redaktion)

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