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Donnerstag, 22.07.2021

Wetter oder Klimawandel?

Hochwasser 2021 - Eine Analyse

Eine extreme Wetterlage ist die Ursache für das extreme Hochwasser Mitte Juli 2021 gewesen. Solche Naturkatastrophen hat es schon immer gegeben. Dennoch spielt der Klimawandel eine Rolle.

Die Luftaufnahme zeigt den vom Ahrhochwasser überfluteten Ort Altenburg. Bild: dpa

Zunächst zur Wetterlage: Auslöser war Tief BERND, das sich ab dem 13. Juli vom Golf vom Genua nach Mitteleuropa schob. Das Tief führte warme und feuchte Luft vom Mittelmeer über den Balkan nordwärts. Auf dem Balkan wurden zeitgleich hohe Temperaturen nahe 40 Grad gemessen. BERND lenkte anschließend die Luft weiter über Polen, Ostdeutschland und über die südliche Ostsee in den Westen Deutschlands. Dort traf die energiegeladene Luft auf kühlere und damit schwerere Luft. "Zutat " Nummer 1 für die Unwetterlage war also die warmfeuchte Luft.

Verena Leyendecker erklärt im Video die Wetterlage und erläutert den Zusammenhang mit dem Klimawandel.

Die zweite "Zutat" ist eine sogenannte blockierende Wetterlage. Tief Bernd war umzingelt von zwei Hochdruckgebieten und kam kaum von der Stelle. Von Dienstag bis zum Wochenende kreiste das Tief mehr oder weniger über dem gleichen Längengrad. Somit brachte es zunächst dem Westen und am Wochenende auch in Sachsen sowie in den Alpen kräftige Niederschläge. Eine solche "Blockadewetterlage" entsteht, wenn der Jetstream stark mäandriert.

Die Regenradar-Analyse zeigt flächig im Westen mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter.

Im Westen kamen von Mittwoch (14. Juli) bis Donnerstag flächig von der Eifel über die Kölner Bucht bis ins Sauerland mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter in nur 24 Stunden zusammen, örtlich sogar noch mehr. An der Wetterstation Köln-Stammheim wurden bis Donnerstagmorgen um 8 Uhr 153,5 Liter innerhalb eines Tages registriert, davon allein 83 Liter am Mittwoch zwischen 14 und 20 Uhr.

Ebenfalls über 100 Liter pro Quadratmeter zeigt die Regenradar-Analyse von Samstag (17.Juli) auf Sonntag im Berchtesgadener Land. In allen genannten Regionen hatte es in den Tagen zuvor schon geregnet, sodass die Böden nahezu gesättigt waren.

Was hat nun der Klimawandel damit zu tun? Das Ereignis ist zunächst einmal Wetter, in diesem Fall eine Naturkatastrophe. Solche Naturkatastrophen hat es schon immer gegeben und wird es auch weiterhin geben. Laut einer Rekonstruktion von historischen Hochwassern an der Ahr könnte es zum Beispiel im Jahre 1910 oder 1804 vergleichbare Hochwasser gegeben haben. Genau lässt sich das im Nachhinein aber nicht mehr vergleichen.

Ein Zitat aus dem Nationalen Klimareport 2020. Quelle: Nationaler Klimareport. 4. korrigierte Auflage (2020), Deutscher Wetterdienst

Letztlich ist es schwierig zuzuordnen, welchen Anteil das Wetter und welchen der Klimawandel hat. Stand der Wissenschaft ist jedoch, dass mit der Erderwärmung Niederschlagsextreme wahrscheinlicher werden. Dies entspricht auch dem physikalischen Grundverständnis, dass warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann.

Auch die aktuellen regionalen Klimamodelle zeigen laut nationalem Klimareport 2020 eine Tendenz zur weiteren Zunahme von Niederschlagsextremen und auch die Analysen der seit 20 Jahren flächendeckend vorliegenden Radardaten in Deutschland deuten darauf hin. Die Datenreihe ist aber noch zu kurz und damit nicht statistisch aussagekräftig.

Neben dem Wetter und dem Klimawandel spielten für das extreme Hochwasser laut Experten auch andere Faktoren eine Rolle. In begradigten und kanalisierten Bächen und Flüssen fließt das Wasser viel schneller ab und stromabwärts steigt die Überschwemmungsgefahr. Zudem werden immer mehr Flächen versiegelt. Wasser, das nicht im Boden versickern oder sich über Auenflächen ausbreiten kann, schwillt zu einer oberirdischen Flut an, die sich dann durch asphaltierte Straßen ihren Weg bricht.

(Ein Bericht von Verena Leyendecker in Zusammenarbeit mit Tommy Kühnlein aus der WetterOnline-Redaktion)

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