WetterOnline ( http://www.wetteronline.de )

Wetternews

Sonntag, 23.09.2018

Tornadoverdacht im Erzgebirge

Sturmtief richtet Schäden an

Pünktlich zum kalendarischen Herbstanfang ist über Teile Süd- und Mitteldeutschlands ein Sturm gezogen. Dabei hinterließ FABIENNE größere Schäden, regional kam es zu Stromausfällen. Im Erzgebirge wütete wahrscheinlich ein Tornado.

Im Erzgebirge reißt vermutlich ein Tornado Dutzende Bäume um. Eine umgestürzte Fichte zerlegt hier einen Kleinwagen. Bild: Bernd März

Im Erzgebirge hinterließ am Sonntag vermutlich ein Tornado ein Spur der Verwüstung. In Stollberg wurden Dächer abgedeckt und ein angrenzendes Waldstück niedergewalzt. Einige Häuser sind einsturzgefährdet. Über 150 Einsatzkräfte waren vor Ort im Einsatz. Bäume fielen auf Autos und versperrten Straßen und Gleise. Ein Firmengebäude im benachbarten Thalheim musste gestützt werden und ist einsturzgefährdet. Auf einem Campingplatz bei Bamberg stürzte ein Baum um und erschlug eine 78 Jahre alte Frau. Sie starb noch an der Unfallstelle.

In Epfenbach im Rhein-Neckar-Kreis kippte eine große Buche auf ein Auto. Ein vierjähriger Junge darin wurde lebensgefährlich verletzt und mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. In vielen Gegenden mussten Straßen gesperrt und von Bäumen befreit werden. In der Oberpfalz und in Franken rückte die Polizei zu Hunderten Einsätzen aus. Bei einem Fest in Neumarkt stürzte ein Baum auf ein Festzelt, sechs Besucher wurden verletzt. Die Autobahn 93 bei Weiden war wegen umgefallener Bäume mehrere Stunden gesperrt.

In Weiterstadt bei Darmstadt fegen Sturmböen Teile des Daches eines Supermarktes auf das angrenzende Feld. Bild: Manuela Hamilton

Zehntausende Haushalte waren in Bayern. Südostthüringen und in Ostsachsen zeitweise ohne Strom, nachdem Bäume oder schwere Äste auf Stromleitungen gestürzt waren. Im Landkreis Aschaffenburg wurden zudem zahlreiche Dächer abgedeckt, Keller liefen voll und Bäume fielen um. In Darmstadt krachte ein großer Ast auf ein Hausdach und zwei Autos. Die Feuerwehr räumte die umliegenden Gebäude und brachte 36 Menschen in Sicherheit. Sturmtief FABIENNE wirbelte die Reisepläne Tausender Menschen in Deutschland durcheinander.

Der Sturm stört den Bahnverkehr massiv. Reisende schauen auf einen Monitor im Hauptbahnhof von Nürnberg. In Stuttgart, München, Nürnberg, Regensburg und Basel stellte die Bahn Hotel-Züge bereit, um gestrandete Fahrgäste unterbringen zu können. Einige Strecken waren am frühen Montagmorgen noch nicht wieder freigegeben.

Umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste blockierten die Bahngleise oder rissen Oberleitungen ab. So war beispielsweise die Verbindung zwischen Erfurt und Nürnberg betroffen. Die ICE-Züge wurden zurückgehalten und warteten das Ende der Sperrung ab. Auch die Strecken Mainz-Worms-Mannheim sowie Aschaffenburg-Würzburg und Würzburg-Nürnberg waren in beiden Richtungen gesperrt. Am Flughafen Frankfurt kam es zu Verzögerungen im Betriebsablauf. Etwa 130 Flüge waren annulliert worden.

Bis ins Flachland wurden Sturmböen bis 100 Kilometer pro Stunde gemessen. Würzburg registrierte sogar eine Orkanböe von 137, Niederstetten 122 Kilometer pro Stunde. Tief FABIENNE formierte sich am Vormittag über Nordostfrankreich. Da die Gegensätze bei den Temperaturen immer größer wurden, wuchsen auch die Unterschiede beim Luftdruck rasant. Diese Prozesse leiteten die Ausbildung des Sturmfeldes ein. An der Kaltfront, die von Südwestdeutschland nach Bayern zog, waren sogar Gewitter eingelagert. Diese gingen mit den heftigsten Böen einher.

(WO/dpa)

Link zu dieser Seite / Seite empfehlen

Das Wetter in ...