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Dienstag, 03.07.2018

Sonderbares Flugverhalten

Wahrheit über Gewittertierchen

In schwüler Gewitterluft sind sie plötzlich überall: Gewittertierchen. Richtige Gewitterpropheten sind diese sogenannten Thripse allerdings kaum. Ihr sonderbares Verhalten gibt jedoch auch Biologen noch Rätsel auf.

Gewittertierchen: Die winzig kleinen schwarzen Insekten sind besonders gut auf heller Kleidung zu sehen und krabbeln auch auf freien Hautstellen. Bild: @ImTaylorC / Twitter

Wenn ein Gewitter bevorsteht, tauchen sie plötzlich in Schwärmen auf und landen auf allem, was gerade im Weg ist: Gewittertierchen, in der Fachsprache der Biologen Thripse genannt. Allerdings sind die Insekten keine Flugkünstler, denn von sich aus können sie kaum fliegen, wie der Biologe Dr. Manfred Ulitzka beschreibt. Vielmehr nutzen sie die durch sommerliche Thermik ausgelösten Aufwinde. Die sogenannten Fransenflügler sind dann in großer Anzahl weit verteilt in höheren Luftschichten unterwegs.

Thripse sind unter vielen Namen bekannt: Gewitterwürmer, Gewittertierchen, Gewitterfliegen, Fransenflügler oder Blasenfüße. Aber nur einige Arten gelten auch als Schädlinge.

Bei einem Gewitter sinken die Thripse wieder ab und konzentrieren sich nah am Boden. Sie versuchen dort zu landen, auch auf den Menschen. Ihr plötzliches Auftreten kann also durchaus ein drohendes Gewitter anzeigen. In erster Linie werden Gewitterwürmchen aber durch einen bedeutenden physikalischen Faktor zur Landung gezwungen: Der Veränderung der Feldstärke vor einem Gewitter. Die entstehende Gewittersituation übe durch die elektrische Feldschwankung Einfluss auf das Flugverhalten vieler Tiere aus, erklärt Manfred Ulitzka.

Einige Arten der Thripse stechen auch. Die Hautstellen können dann rot anschwellen, wie bei einem Stechmückenstich. Sie ernähren sich keinesweg vom Blut. Man nimmt eher an, dass die Tiere entweder durch Ausdünstungen der Haut fehlgeleitet werden oder dass sie versuchen Feuchtigkeit aufzunehmen. Bild: @Couleur_Neon/ Twitter

Die genauen Gründe für ihr Verhalten sind wissenschaftlich noch nicht geklärt. "Als Auslöser kommen nach bisherigen Erkenntnissen ausschließlich Änderungen der elektrischen Feldstärke in der Luft in Betracht", erläutert der Biologe. Bei schönem und trockenem Wetter beträgt die Feldstärke etwa 100 bis 300 Volt/Meter. Entsteht ein Gewitter, kann die Feldstärke bis auf 50.000 Volt/Meter steigen. Thripse und andere kleine Insekten stellen ihre Flugaktivität spätestens bei einer Feldstärke von 8000 Volt/Meter komplett ein.

Die Gewittertierchen legen dann einfach ihre Flügel an und sinken ab. Warum das so ist, konnte bis heute noch nicht wissenschaftlich geklärt werden. Thripse können außerdem ihr Flugverhalten kaum bestimmen. In erster Linie werden sie vom Wind getragen und können die Flugrichtung durch ihre Flügelstellung nur geringfügig ändern. Dies ist aber nur möglich, wenn der Wind schwach ist. Thripse landen daher vollkommen zufällig auf Menschen.

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