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Montag, 07.01.2019

Kommentar

Düstere Zukunft für Wetterwarten

Am 1. Januar 2019 ist die Wetterwarte auf dem Fichtelberg automatisiert worden. Seither ist die Station nicht mehr bemannt und eine über 100-jährige Messreihe beendet. Das gleiche Schicksal steht weiteren Messorten bevor. Für die Klimaforschung ist dies ein Desaster.

Die Wetterstation auf dem 1215 Meter hohen Fichtelberg im Erzgebirge wurde automatisiert, d.h. es gibt dort keine Wetterbeobachter mehr. Bild: dpa

Keine Frage: Der Betrieb vollautomatischer Messstationen bringt für die Wetterbeobachtung viele Erleichtungen und sogar Vorteile mit. So messen solche Stationen Wetter nicht nur stündlich, sondern minütlich, ja sogar sekündlich und dies rund um die Uhr. Automaten sind in Zeiten leerer Kassen auch ein wichtiger Faktor der Kosteneinsparung und sie können selbst an Orten betrieben werden, wo der Einsatz von Menschen nicht oder nur mit enormem Aufwand möglich ist.

Doch die Automatisierung von Wetterstationen birgt vor allem auf Bergen auch eine Reihe von Nachteilen: Nicht alle Parameter können zuverlässig ermittelt werden und einige Wetterelemente entziehen sich der Erfassung sogar komplett. So sind automatisch ermittelte Messwerte von Niederschlag und Schneehöhe gerade auf windumtosten Berggipfeln ohne menschliches Eingreifen häufig wertlos, weil Wind Regen oder Schnee über die Messgeräte hinwegbläst und die Werte verfälscht. Auch eine Fülle besonderer Wettererscheinungen erkennt ein Automat nicht.

Gerade auf Bergstationen können die rauen Witterungsbedingungen Messwerte verfälschen, wenn kein menschlicher Beobachter mehr eingreift. Bild: dpa

Sogar die Messung der Temperatur kann auf Bergen etwa durch Vereisen des Messfühlers verfälscht und die Messdaten von Richtung und Stärke des Windes können durch Reifbesatz unbrauchbar werden. Das Problem dabei: Ein Automat merkt nicht, ob die ermittelten Werte plausibel sind oder nicht. Selbst optische Hilfsmittel wie etwa Webcams stoßen bei dichtem Nebeltreiben an ihre Grenzen, sodass letztlich nur die Erkenntnis bleibt: Ohne menschliches Zutun lassen sich langjährige und wertvolle Klimareihen nicht fortführen.

Nun könnte man argumentieren, dass der quantitative Zugewinn einer Vielzahl vollautomatischer Wetterstationen im Flachland die qualitativen Einbußen einiger weniger Standorte auf entlegenen Bergen mehr als ausgleichen würde. Das wäre aber zu kurz gedacht: Denn gerade die Abgeschiedenheit von Berggipfeln fernab von sich fortlaufend wandelnden Siedlungsräumen garantiert mit historischen Verhältnissen vergleichbare Messdaten. Vorausgesetzt man stellt deren Qualität sicher und setzt historische Klimabeobachtungsreihen nahtlos fort.

Für den Fichtelberg ist die bemannte Wetterbeobachtung nach mehr als 100 Jahren vorbei, ebenso wie schon für viele andere Wetterstationen. Bis Ende 2021 will der DWD alle noch verbliebenen Wetterstationen automatisieren. Bild: dpa

Gerade auch vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels erscheint es daher geradezu fahrlässig, ausgerechnet mit dem Argument der Kostenersparnis die Fortführung der historisch wertvollsten Messreihen unserer Zeit einzustellen. Dass die Wetterstation Fichtelberg nun keine Schneehöhen und Niederschlagsmengen mehr meldet, mag für Ausflügler nur ein kleines Ärgernis sein. Für das engagierte Ex-Personal ist die Entscheidung des DWD überaus schmerzlich und für die so wichtige Klimaforschung desaströs, ein unschätzbarer Verlust.

Ein Kommentar von Jürgen Vollmer, Wetterredaktion

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