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Sonntag, 22.11.2020

Klimawandel in Deutschland

Winter: Immer weniger Schnee

Mit dem Klimawandel werden die Winter in Deutschland nachweislich wärmer. Das hat Einfluss auf die Anzahl der Schneetage. Eine neue Auswertung zeigt den deutlichen Rückgang für Mitteleuropa. Für den Wintersport gibt es dennoch Hoffnung.

Das Video beschreibt die Fakten zur Entwicklung der Winter.

In den vergangenen zehn Jahren gab es sechs der zehn wärmsten Winter seit Beginn der Messungen im Jahr 1881. Die Winter 2006/2007 und 2019/20 sind sogar die wärmsten. Überall in Mitteleuropa steigt die Wintertemperatur nachweislich an. In den für Schnee prädestinierten Gebieten wie der deutschen Alpenregion und den östlichen Mittelgebirgen sind es seit 1881 1,4 Grad. Im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb stiegen im gleichen Zeitraum die mittleren Temperaturen sogar um 1,7 Grad an.

Die wärmsten Winter der Messgeschichte in Deutschland. Datenquelle: DWD

Der Temperaturanstieg bleibt nicht ohne Folgen. So werden in München heute rund neun Tage weniger mit einer Schneedecke gezählt als Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Auswertung für Berlin zeigt sogar zehn Tage weniger als im Zeitraum von 1951 bis 1980.

Diese Graphik gibt die Anzahl der Tage mit Schnee für München an. Quelle: DWD

Die Abnahme ist also deutlich, auch wenn es enorme Schwankungen der Winter gibt. So sind selbst in den milden 2000er Jahren immer wieder kühle und schneereiche Winter dabei gewesen. Der letzte war 2010/11, wo es für viele die letzten weißen Weihnachten gab.

Nach einer neuen Auswertung mitteleuropäischer Wetterdienste betrifft die Erwärmung alle Höhenlagen. Die Abnahme der Schneetage macht sich hingegen nur unterhalb von etwa 1500 Meter Höhe bemerkbar. In höheren Lagen ist es noch meist kalt genug für Schnee. Laut der Studie ist dort "auch in den nächsten Jahrzehnten ausreichend Naturschnee für den Wintersport zu erwarten".

Der Trend hin zu milderen Wintern in Mitteleuropa setzt sich in den nächsten Jahrzehnten mit großer Wahrscheinlichkeit fort. Dennoch wird es auch in Zukunft immer wieder kalte und schneereiche Winter geben. Der Klimawandel beschreibt das Mittel über 30 Jahre. Die Witterung eines Winters hingegen hängt von vielen saisonalen Schwankungen ab. Ein kalter Winter widerspricht daher nicht dem Klimawandel.

Auch wenn das Klima wärmer wird, kann das Wetter mal sehr kalt sein. Björn Goldhausen erklärt im Video die Begriffe Wetter, Witterung und Klima.

Der eigentlich logische Zusammenhang zwischen Klimawandel und milderen Wintern gilt im Gegensatz zu Mitteleuropa nicht für alle Regionen. So sind die Winter in Sibirien kälter und schneereicher geworden. Auch in Nordamerika, Asien und in Teilen Europas gab es immer wieder ungewöhnlich heftige Kälteeinbrüche. Laut einer Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) hängt das mit Veränderungen der arktischen Luftströmungen zusammen.

Mittlerweile ist es in der Klimaforschung sogar möglich, den Klimawandel in einzelnen Extremwetterereignissen nachzuweisen. Mit Hilfe von Attributionsstudien lässt sich ausmachen, ob und inwieweit der vom Menschen verursachte Klimawandel für Wetterextreme verantwortlich ist, beziehungsweise diese wahrscheinlicher macht. Die Ergebnisse sind dabei meist eindeutig, aber eben längst nicht immer.

(Ein Bericht von Verena Leyendecker aus der WetterOnline-Redaktion)

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