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Dienstag, 27.04.2021

Kältester April seit 40 Jahren

Ungewöhnlicher Frühlingsmonat

Der April 2021 ist alles andere als ein warmer Frühlingsmonat gewesen. Nach vorläufigen Berechnungen wird es der kälteste April seit 1980.

Fast jeden Tag zu beobachten: Reif überzieht Wiesen und Felder. Im April hat es immer wieder Nachtfröste gegeben. Bild: dpa

Der April kam die meiste Zeit gefühlt wie ein Spätwintermonat daher. An fast jedem Tag wurden Nachtfröste registriert, regional fielen die Temperaturen bis unter minus 5 Grad. Selbst tagsüber wurden vielerorts nur einstellige Plusgrade gemessen. Obwohl die vorläufige Bilanz erst Ende der Woche ansteht, zeichnet sich schon jetzt ab, dass der Monat deutlich kälter als im langjährigen Vergleich ausfällt.

Derzeit liegt das Deutschlandmittel bei 5,6 Grad. Bis zum Monatsausklang dürften es nur wenige Zehntelgrade mehr werden. So wie es aussieht, wird das Temperaturmittel für den April bei rund 6 Grad bleiben. Damit ist schon fast sicher, dass der April der kälteste seit 1980 sein wird. In Nordrhein-Westfalen dürfte er sogar als der kälteste April seit 1977 in die Wettergeschichte eingehen.

In einer Rubrik könnte der April sogar ganz neue Maßstäbe setzen, wie Björn Goldhausen im Video weiß.

Verantwortlich dafür sind die vielen Frosttage, also die Tage mit Tiefsttemperaturen unter 0 Grad. So meldeten etwa Bad Lippspringe (Messungen seit 1951) und Flughafen Köln/Bonn (Messungen seit 1957) schon jeweils 13 Frosttage, so viel wie noch nie seit dem jeweiligen Aufzeichnungsbeginn. Der Schnitt liegt bei vier Frosttagen.

Im Gegensatz zu den vergangenen drei Jahren zeigt uns der April diesmal seine kalte Schulter. Im Jahr 2020 fiel der April mit einer Mitteltemperatur von 10,5 Grad überdurchschnittlich warm aus. Im Vergleich zum Mittel der vergangenen 30 Jahre war es damals 1,6 Grad wärmer. Im Jahr 2018 stellte der April sogar einen Rekord auf. Es war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881.

In den vergangenen drei Jahren fiel der April überdurchschnittlich warm aus. 2018 war er sogar der wärmste seit Messbeginn vor über 135 Jahren.

Die ziemlich lang andauernden Kältephasen in diesem Jahr waren der fast schon eingefahrenen Wetterlage geschuldet. Deutschland befand sich die meiste Zeit auf der Ostseite von Hochdruckgebieten. Dadurch wurde immer wieder kalte Meeresluft oder gar Polarluft aus Nordwesten oder Norden zu uns geführt. Nur der Südwesten profitierte von wärmerer Luft. Dort ging es im letzten Monatsdrittel vielerorts auf 16 bis 23 Grad hinauf.

Typisch für den Monat ist diese wiederkehrende Wetterlage: Ein Hoch positioniert sich bei den Britischen Inseln. Über Nordosteuropa ziehen Tiefs durch. Dazwischen fließt kalte Luft aus Norden nach Deutschland.

Trotz Klimawandel wird es immer wieder kalte Monate geben, wie etwa der Dezember 2010 oder der März 2013 gezeigt haben. Insbesondere die arktischen Regionen spielen bei den Wetterlagen auf der Nordhalbkugel eine Schlüsselrolle. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben herausgefunden, dass die Erwärmung rund um den Nordpol den Jetstream nachhaltig schwächen kann.

Der übliche Wechsel von Wetterlagen mit regnerischen und freundlichen Phasen wird dabei unterbunden. Stattdessen stellen sich in den mittleren geografischen Breiten lang anhaltende Wetterlagen ein. Dazu gehören auch sogenannte blockierende Hochs, die sich kaum vom Fleck bewegen. Schlimmstenfalls sind auch Wetterextreme wie Hitzewellen und massive Kälteeinbrüche möglich.

Jetstreams sind bandartige Winde in etwa 9 bis 14 Kilometer Höhe. Sie wehen von West nach Ost und treiben Flugzeuge und Tiefdruckgebiete an. Im Video erklären wir, wie sie entstehen und wie sie sich mit dem Klimawandel verändern.

(Ein Bericht von Tommy Kühnlein aus der WetterOnline-Redaktion mit Material von der dpa)

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