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Donnerstag, 27.10.2016

Der Polarwirbel schwächelt

Spannende Zeiten für Winterfans

Steht uns im November ein ungewöhnlich früher Winterauftakt mit Frost und Schnee bevor? Durchaus möglich, denn das Wetter auf der ganzen Nordhalbkugel ist gehörig aus dem Takt geraten.

Vater und Tochter beim Spaziergang im Schneegestöber. Mit etwas "Glück" werden solche Bilder in einigen Wochen auch hierzulande Realität.

Das ruhige Herbstwetter der letzten Wochen hierzulande täuscht: Auf der ganzen Nordhalbkugel sind ungewöhnliche Dinge im Gange. Besonders deutlich wird das im Nordpolarmeer: Auf Spitzbergen liegt beispielsweise immer noch kein Schnee, auf den Aleuten (zwischen Russland und Alaska) pumpen Orkantiefs extrem milde Luft ins Polgebiet und verhindern dort die eigentlich längst überfällige Bildung von Meereis. Auf dem Atlantik gibt es dagegen kaum Tiefdruckgebiete. Stattdessen dominiert hoher Luftdruck, vor allem von Island bis nach Sibirien.

Spitzbergen nördlich des Polarkreises am Donnerstagmorgen. Nur auf den höchsten Gipfeln liegt etwas Schnee, es ist dort aktuell über 10 Grad (!) wärmer als sonst um diese Jahreszeit. Bild: Svalbard University

Die Ursache für diese Wetterphänomene ist ein ungewöhnlich schwacher Polarwirbel. Dieses Starkwindband in über 10 Kilometern Höhe steuert vor allem im Winterhalbjahr Zugbahn und Stärke der Tiefdruckgebiete, beeinflusst aber auch die Temperaturverteilung zwischen dem Nordpol und den mittleren Breiten. Bei einem starken Wirbel gibt es auch starke Tiefs, milde Westwinde dominieren und polare Kaltlufteinbrüche sind selten. Bei einem schwachen Wirbel sind auch die Tiefs schwach, Hochdruckgebiete dominieren und Polarluft strömt leichter nach Süden.

Dank des schwachen Polarwirbels dominierten in den vergangenen Wochen starke Hochdruckgebiete über Russland und Skandinavien unser Wetter. Die Chancen stehen gut, dass das auch im November und Dezember so bleiben wird, was bei uns eher zu unterdurchschnittlichen Temperaturen und zumindest sporadischen Winterperioden führen könnte.

Der Polarwirbel wird auch in den kommenden Wochen weiter ungewöhnlich schwach bleiben, es gibt sogar Anzeichen, dass er sich in zwei Teile aufspalten könnte. Sollte das passieren, wäre das ein Novum: Noch nie wurde ein sogenannter Polarwirbelsplit Anfang November beobachtet. Auf solche Entwicklungen folgten in den vergangenen Wintern oft spektakuläre Kälteeinbrüche in Europa mit schweren Schneestürmen und klirrendem Frost. Zuletzt passierte das im Rekord-Dezember 2010, im eiskalten Februar 2012 und im Schneesturm-März 2013.

Wie gravierend die Folgen eines Polarwirbelsplits sein können, zeigte sich zuletzt eindrucksvoll im März 2013. Sibirische Kälte flutete ganz Europa und schwere Schneestürme begruben die ersten zarten Frühlingsboten wochenlang unter Schneemassen. Bild: AFP

Ob der (mögliche) anstehende Polarwirbelsplit auch dieses Mal wieder strenges Winterwetter in Europa zur Folge hat, muss abgewartet werden. Die Ausgangslage für einen frühen Kälteeinbruch ist allerdings so "günstig" wie seit Jahren nicht: Atlantiktiefs mit milder Luft spielen auch in den kommenden Wochen kaum eine Rolle für unser Wetter, Hochdruckgebiete sind weiterhin am Zug. Dazu ist es in Russland schon sehr kalt für die Jahreszeit, und diese Frostluft kommt langsam, aber sicher immer näher. Für Winterfans brechen also spannende Zeiten an.

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