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Sonntag, 03.05.2020

Corona stört Arktis-Expedition

"Polarstern" muss aus dem Eis

Die Arktis-Expedition des deutschen Forschungsschiffes "Polarstern" muss wegen der Corona-Pandemie unterbrochen werden. Ein bereits überfälliger Austausch der Crew kann nur durchgeführt werden, wenn das Schiff aus dem Eis herausfährt.

Die "Polarstern" (links im Bild) und der russische Eisbrecher "Akademik Fjodorow" bei einem früheren Versorgungstreffen im Eis des Nordpolarmeers. Bild: Alfred-Wegener-Institut / Esther Horvath (CC-BY 4.0)

Schon bei einem früheren Team-Wechsel war es zu Verzögerungen gekommen, weil das Eis für das Versorgungsschiff zu dick war. Nun verzögern die internationalen Grenzschließungen den Austausch der Crew. Wegen der Corona-Krise ist der Transit von Passagieren über Spitzbergen nicht mehr möglich. Daher startet nun ein Versorgungsschiff mit dem neuen Team direkt aus Deutschland. Da dieses aber nicht durch Eis fahren kann, muss ihm die "Polarstern" entgegenkommen. In den flachen Gewässern vor Spitzbergen soll die Crew dann auf See ausgetauscht werden.

Die "Polarstern" ist 118 Meter lang und bietet Platz für 100 Wissenschaftler. Das 20.000 PS starke Schiff kann durch 1,5 Meter dickes Scholleneis fahren, noch dickeres Eis bricht es mit einer Rammtechnik. Bild: dpa

Wie der Leiter der MOSAIC-Expedition Prof. Markus Rex vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) mitteilt, kann die Fortsetzung der Expedition trotz der äußerst widrigen Umstände durch diese Planänderung sichergestellt werden. So befindet sich das neue Team derzeit noch in einer kontrollierten Quarantäne, wo mehrfach Coronatests durchgeführt werden. Nach dem Teamwechsel sowie Austausch von Fracht und Versorgungsgütern wird die "Polarstern" dann von Spitzbergen aus mit ihrem neuen Team wieder ins Eis fahren und die Expedition fortsetzen.

Die ursprüngliche Expeditionsplanung sah vor, dass sich die "Polarstern" über Winter im Eis einfrieren und von dessen Drift bis zum Herbst 2020 treiben lässt. Grafik: dpa

Ursprünglich waren für die Dauer der Expedition fünf solcher Crew-Wechsel vorgesehen, doch werde man die Teams wegen der bisherigen Entwicklungen nun nur insgesamt vier mal austauschen. Noch offen ist, ob das Forschungscamp der am 12. Oktober endenden Expedition bis zuletzt an seiner ursprünglichen Einfrierposition im Eis bleiben wird. Denn die Drift hat das Camp in den vergangenen Monaten schon recht weit nach Süden transportiert. Vorstellbar ist daher auch, dass das Camp eventuell noch einmal weiter in Richtung Nordpol zurückverlegt wird.

(Ein Bericht von Jürgen Vollmer aus der WetterOnline-Redaktion)

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