Wetternews
Probleme der Langfristprognosen
Wie fällt der Winter aus?
Ganz Deutschland fragt sich derzeit, wie der Winter wird. Und einige Meteorologen geben bereits bereitwillig Auskunft. Dabei stehen ihre lauthals verkündeten Langfristvorhersagen auf sehr dünnem Eis.
Wettervorhersage für die nächsten Tage ist Wissenschaft. Langfristprognosen gleichen hingegen auch heute noch einem Blick in die Glaskugel.
Eine zutreffende Wintervorhersage wäre für zahlreiche Wirtschaftsbereiche Gold wert und auch viele Menschen interessiert die Winter-Frage jedes Jahr aufs Neue. Davon zeugen schon jahrhundertealte Bauernregeln, wie zum Beispiel "Warmer Oktober bringt fürwahr uns sehr kalten Februar". Vor allem ein viel beachtetes Langfrist-Wettermodell stellt nun einen milden Winter in Aussicht. Doch so einfach ist es nicht.
Trotzdem feiern Winterprognosen in den Medien dieser Tage mal wieder Hochkonjunktur. Sie stützen sich auf so unterschiedliche Vorhersagemethoden wie Bauernregeln, Bauchgefühl und langfristige Computerrechnungen. Besonders der amerikanische Wetterdienst verdreht mit seinen scheinbar exakten Vorhersagen so manchem Wetterfrosch den Kopf. Deren experimentelle Langfristprognosen spucken für Europa genaue Abweichungen der Monatsmitteltemperatur für das nächste halbe Jahr aus. Und diese lassen derzeit so manchen Winterfan rot sehen.
Das Langfristmodell des amerikanische Wetterdienstes sagt für den Winter in Deutschland aktuell eine positive Abweichung von ein bis zwei Grad vorher. Bildquelle: NOAA
Demnach stünden uns bis Februar durchweg mildere Monate ins Haus als im langjährigen Mittel. Hierauf basieren derzeit die meisten Vorhersagen für einen deutschen Mildwinter. Dabei müsste man nur auf den letzten Winter schauen, um zu wissen, was von solchen Vorhersagen zu halten ist. Damals sagten manche Meteorologen auf Basis des gleichen Modells schon im September einen Kaltwinter und sibirische Kälte vorher. Doch der Winter war letztendlich ein Totalausfall und die Prognosen ein Flop.
Im Gegensatz zum amerikanischen Wetterdienst stellt AccuWeather zumindest für Osteuropa einen kalten Winter in Aussicht, der zeitweise auch Deutschland streifen soll. Bildquelle: accuweather.com
Dennoch kann man dem amerikanischen Wetterdienst derweil keinen Vorwurf machen. Er betont nämlich stets den experimentellen (!) Charakter seiner Modellergebnisse, die mit großem Aufwand täglich neu berechnet und aktualisiert werden. Das Problem liegt vielmehr in der Interpretation der Daten. Wer diesen Modell-Output für bare Münze nimmt und als exakte Wintervorhersage für Deutschland verkauft, verlässt somit wissentlich den Bereich der Seriosität.
Auch in einem sehr milden Winter können immer mal wieder Schnee und Eis zu Glätte führen, wie im letzten Januar im Norden und Osten. Bildquelle: dpa
Ein weiteres Problem geht aus solchen Langfristprognosen hervor: Selbst wenn sie tendenziell richtig liegen, sagen sie nichts über den tatsächlichen Wetterverlauf aus. Auch in einem überdurchschnittlich warmen Winter kann es Tage oder sogar Wochen mit Schnee und Eis geben. Ebenso garantiert ein kalter Winter zum Beispiel noch lange kein weißes Weihnachtsfest. Für solche taggenauen Jahreszeitenvorhersagen gibt es derzeit keinen seriösen Ansatz, weshalb sie im Bereich von Horoskopen anzusiedeln sind.