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Freitag, 07.05.2021

Was ist dran an den Eisheiligen?

Frost mitten im Mai

Eine alte Bauernregel sagt: "Vor Nachtfrost du nicht sicher bist, bis Sophie vorüber ist". Es handelt sich dabei um die sogenannten Eisheiligen, die in der nächsten Woche beginnen. Doch wie viel Wahrheit steckt dahinter?

Frost im Mai gefährdet viele Pflanzen und das Saatgut.

In dem Zeitraum der Eisheiligen vom 11. bis zum 15. Mai kommt es nach einer Bauernregel häufig zu Kälteeinbrüchen. An diesen fünf Tagen kann es mitten im Frühling noch einmal richtig frostig werden. Das liegt an der kalten Luft, die im Mai manchmal aus den Polargebieten in Schüben zu uns herübergeweht wird. Doch finden die kalten Tage nicht nur an den Eisheiligen statt. Manchmal treten sie auch früher oder später auf.

Diese Nachtfrostperioden können für empfindliche Pflanzen sowie Saatgut bedrohlich werden. Viele Landwirte, aber auch Hobbygärtner, bringen daher ihre Aussaat erst nach Mitte Mai auf die Felder. Die Wetterdaten der vergangenen Jahre zeigen, dass es im Wonnemonat fast regelmäßig Tage mit Bodenfrost gibt. Das letzte Mal in der Zeit der Eisheiligen war dies erst im vergangenen Jahr am 12. Mai der Fall. Auch dieses Jahr sieht es nach kühlerem Wetter aus. Das ist aber eher Zufall.

Die Bauernregel der Eisheiligen weist auf Kaltlufteinbrüche Mitte Mai hin. Verena Leyendecker zeigt im Video Wetterdaten seit 1950 und kann diese Aussage nicht bestätigen. Nur ein Jahrzehnt sticht heraus.

Am Wochenende geht es mit den Temperaturen erst einmal steil bergauf. Passend zum Muttertag am Sonntag zeigt das Thermometer verbreitet 25 bis 30 Grad an. Doch der Sommer gibt nur ein kurzes Gastspiel, denn schon ab Montag lenkt ein Tief bei den Britischen Inseln wieder kühle Atlantikluft zu uns. Am längsten warm bleibt es noch im Südosten. Ganz so kalt wie zuletzt wird es aber wohl nicht mehr und auch Nachtfröste sind derzeit eher unwahrscheinlich. Allenfalls am Alpenrand kann sich die Luft auf Tiefstwerte um 0 Grad abkühlen.

Die Eisheiligen bringen uns demnach nächste Woche keine unangenehme Kälte. Interessanterweise gibt es im statistischen Mittel keine Häufung von Frosttagen Mitte Mai. Vielmehr nimmt die Frostwahrscheinlichkeit von Anfang bis Ende Mai ab, was wegen des steigenden Sonnenstands ja auch logisch ist. Frostige Tage können dennoch auch nach dem 15. Mai vorkommen.

Die meisten Bauernregeln entstanden im Mittelalter weit vor der gregorianischen Kalenderreform von 1582. In dieser Reform wurden zehn Tage gestrichen, um den Kalender besser an den tatsächlichen Sonnenlauf anzupassen. Dies führte dazu, dass viele Namenstage, darunter auch die der Kalenderheiligen, zehn Tage nach vorne verschoben wurden. Die Kalender-Eisheiligen finden seither zehn Tage früher statt als zur Entstehungszeit der ursprünglichen Bauernregeln. Das jetzige Datum der Eisheiligen ist also nicht mehr der ursprünglich gemeinte Zeitraum.

Spätfröste in Zeiten der globalen Erwärmung werden immer häufiger zum Problem, da die Natur früher im Jahr austreibt. Welche Folgen das für die Landwirtschaft hat, zeigen wir im Video.

(Ein Bericht von Tommy Kühnlein aus der WetterOnline Redaktion)

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