Top-Themen - Dienstag, 08.11.2011
Tropentief am Mittelmeer
Chaotische Wetterszenarien

Zum ersten Mal in der Geschichte ist ein Tiefdruckgebiet über dem Mittelmeer als "Tropisches Tief" klassifiziert worden. Dies hatte der amerikanische Wetterdienst NOAA zum Wochenbeginn getan. Es handelte sich um das Tief, das in Südfrankreich und Norditalien so heftige Regenfälle gebracht hatte, dass ganze Landstriche überflutet und Erdrutsche ausgelöst wurden. Derzeit regnet es immer noch kräftig, erst ab der Wochenmitte wird es deutlich trockener.

Bodenwetterkarte von Dienstag, 1 Uhr MEZ
Bodenwetterkarte von Dienstag, 1 Uhr MEZ
Zwischen den Balearen und Korsika liegt ein kräftiges Mittelmeertief. Es hatte die schweren Unwetter von Südfrankreich bis nach Norditalien gebracht, schwächt sich nun jedoch ab. Bildquelle: WetterOnline Mitgliedschaft

Die im Satellitenbild oft nahezu kreissymmetrische Struktur der Wolken erinnerte tatsächlich mehr an typische Tropische Tiefs. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Mittelbreitenzyklonen, wie es sie gerade im Winterhalbjahr nicht nur über Mitteleuropa sondern auch im Mittelmeerraum gibt, fehlen den Tropischen Tiefs schmallange Wolken- und Niederschlagsbänder, die Warm- und Kaltfronten. Solche Fronten waren im Einflussbereich dieses Unwettertiefs nicht leicht zu finden, was ebenfalls mehr für ein Tropisches Tief als für ein Mittelbreitentief spricht.

Satellitenbild von Dienstagvormittag
Satellitenbild von Dienstagvormittag
Wolkenwirbel mit Gewitterherden zwischen Palma de Mallorca und Monaco. Außerdem haben sich Gewitterzellen linienhaft zwischen Rom und Korsika formiert. Bildquelle: WetterOnline Mitgliedschaft

Gegen die Klassifikation des Mittelmeertiefs als Tropisches Tief spricht allerdings, dass das Tief nicht nur in den unteren sondern auch in höheren Schichten markant ausgeprägt war. So sah man das Tief auch "ganz weit oben" - etwa in fünfeinhalb Kilometer Höhe über dem Erdboden - deutlich.

Wassermassen in Genua
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Minus 20 Grad kalte Luft lag zwischen 5000 und 6000 Meter Höhe über dem noch etwa 20 Grad warmen Wasser des Mittelmeeres (Stichwort: "Höhenkaltluft"). Daraus ergibt sich eine Temperaturdifferenz von vierzig Grad zwischen der Wasseroberfläche und der "Höhenkaltluft", die schließlich Auslöser für die außergewöhnlich heftigen Unwetter in Südfrankreich und Norditalien war.