Wir haben über das "Klimamittel aus der Mottenkiste" berichtet. Dabei ging es darum, dass der Deutsche Wetterdienst (DWD) immer noch die veraltete Messreihe von 1961 bis 1990 verwendet. Folge: Fast alle Sommer der letzten 18 Jahre waren "zu warm". Trotz (zweifelhafter) Empfehlung der Weltorganisation für Meteorologie könnte der DWD einen anderen Weg einschlagen. Andere Länder, als Beispiel seien Österreich, die Niederlande, Belgien und Norwegen genannt, haben das längst vorgemacht. Sie nutzen Klimamittel bis ins Jahr 2000 oder 2010.
Jetzt zu einem anderen Phänomen: In fast allen Monatsrückblicken des DWD tauchen Formulierungen wie "zu warm", zu nass" oder "sonniger als normal" auf. Woran liegt das und ist das Wetter wirklich so unnormal geworden wie es der DWD darstellt? Um es vorweg zu nehmen: Die Antwort ist Nein. Der DWD berechnet aus Messdaten einen Mittelwert aufs Zehntel genau und definiert diesen als normal. Die Folge ist, dass praktisch nie dieses Kriterium erfüllt wird. Dazu eine Grafik der Sommertemperaturen.

| Dargestellt sind die Sommertemperaturen der Jahre 1961 bis 2011. Praktisch kein Sommer trifft die rote Linie, und verfehlt damit den Status "normal". |
Dargestellt sind die Jahre von 1961 bis 2011. Sofort werden die großen Schwankungen deutlich. So wechselhaft ist das Wetter, jeder kennt das. Aber jetzt zur roten Linie. Das ist das DWD-Normal - eine Konstante - ein simpler Durchschnittswert der Jahre 1961 bis 1990. Wir stellen fest: Praktisch in jedem Jahr wurde das DWD-Normal verfehlt. Die Sommer waren "anders als üblich", erhielten vom DWD das Prädikat "unnormal". Scheinbar stimmt etwas mit dem Wetter nicht, wir müssen es wohl mit einem krankhaften Zustand zu tun haben.
Man kann sich die Aussagen eigentlich nur dadurch erklären, dass bewusst versucht wird Schlagzeilen zu produzieren. Dass man dabei fachlich unhaltbare Aussagen in Kauf nimmt, ist skandalös. Beim Bürger kommt an: Das Wetter wird immer verrückter, so etwas gab es früher nicht. Verknüpft man es mit den laut DWD "zu warmen Sommern in Serie" fehlt jetzt nur noch die Schlussfolgerung, dass der Klimawandel Schuld sei. Abenteuerlich.
Aber wie geht man korrekt an die Sache heran? In einer Messreihe berechnet man zunächst das genaue Mittel. Jetzt kommt aber der entscheidende Unterschied. Während der DWD sämtliche Werte ohne Punktlandung als unnormal bezeichnet, geht man in der Statistik anders vor. Es gelten nur die Werte als besonders, die nicht im Bereich der sogenannten Standardabweichung liegen. Dies bedeutet, dass fast 70 Prozent aller Werte um den Mittelwert völlig unspektakulär sind und nur der Rest einen besonderen Stellenwert hat.
WetterOnline wird genau nach dieser Weise verfahren. Statt die Bevölkerung zu verunsichern, sollte auch der DWD betonen, dass Schwankungen in den überwiegenden Fällen keine Besonderheit darstellen. Das Wetter ist zwar wechselhaft, aber nicht krank. Im Folgeartikel zeigen wir, wie sich die Bewertung des Sommers 2011 wandelt, wenn man zum einen das korrekte statistische Verfahren verwendet und zum anderen statt des alten Mottenkisten-Klimamittels das neue von 1981 bis 2010 benutzt.


